Leseprobe: She flies with her own wings

Kapitel 1

Das muss die richtige Adresse sein. Ich schaue an dem Gebäude hoch. Nicht die allerbeste Gegend, aber das Haus sieht gepflegt aus. Ich checke noch einmal die Hausnummer. Stimmt. Ich gehe rein und drücke auf die Klingel. Eine Stimme ertönt. „Ja?“

„Ich bin Thea. Wir haben einen Termin für die Zimmerbesichtigung.“

„Nimm den Aufzug in die sechste Etage.“ Ein Summlaut ertönt und die innere Tür lässt sich öffnen.

Oben angekommen schaue ich mich um und frage mich gerade, welche Tür ich nehmen muss, als eine geöffnet wird und ein Mann im Rahmen steht. Nicht irgendein Mann, ein heißer Mann. Einen Moment weiß ich nicht, was ich tun soll. Mein Gehirn hat für ein paar Sekunden die Tätigkeit eingestellt. Er ist groß, hat breite Schultern, schmale Hüften, unter seinem schwarzen Shirt zeichnen sich seine Bauch- und Brustmuskeln ab. Er hat dunkelblonde Haare, ein bisschen verwuschelt, als käme er gerade aus dem Bett. Grüne Augen, Lippen zum Küssen. Ich glaube, ich habe noch nie einen so gutaussehenden Mann gesehen. Er mag vielleicht 28 sein, vielleicht jünger, vielleicht älter. Auf jeden Fall, heiß.

Er lächelt mich an und streckt mir die Hand hin: „Du musst Thea sein. Ich bin Tom.“

Ich weiß nicht, was ich tun soll, bis ich mir einen mentalen Tritt verpasse, und mich erinnere, dass man eine ausgestreckte Hand ergreift. Ich gehe die paar Schritte vorwärts und lege meine Hand in seine. Warm, fest, perfekt. Ich versuche zu lächeln, aber irgendwie misslingt es. Er schaut mich amüsiert an. Ich glaube zu sehen, dass er insgeheim über mich lacht, und ich merke, wie meine Wangen sich röten. Ich kann es nicht leiden, wenn sich andere über mich lustig machen. Ja, ich mag manchmal zum Lachen sein und lächerliche Sachen machen, aber es gibt mir ein befangenes, gehemmtes Gefühl. Kein guter Start.

Er hält mir die Tür auf und ich überlege kurz, wie unhöflich es wäre, sofort wieder zu gehen. Ich öffne den Mund, um zu sagen, dass ich es nicht für eine gute Idee halte, mir das Zimmer anzuschauen, als er mir die Hand auf den Rücken legt und mich praktisch durch die Tür schiebt.

Als ich protestieren will, fällt mein Blick auf die offene Küche, den Essbereich und das Wohnzimmer und es verschlägt mir die Sprache. Ziegelsteinwände, Hartholzböden, cremefarbene Balken. Die Küche hat anthrazitfarbene Fronten und die Möbel sind aus dunklem Holz, schokofarbene Sofas. Anschließend an diesen Traum aus „Schöner Wohnen“ findet sich eine riesige Terrasse, die beinahe von einer Blütenpracht erstickt wird. Krass. Dass es solche Wohnungen überhaupt gibt. Mir bleibt der Atem weg und ich bin sprachlos. Und das passiert nur selten.

„Beeindruckt?“ fragt Tom mich. Wieder ist da dieses amüsierte Lächeln, wieder lacht er über mich, aber dieses Mal macht es mir nichts aus, ich bin geblendet.

Ich nicke und versuche, etwas zu sagen. Aber es kommt nichts raus. Ich räuspere mich: „Wahnsinn.“

Jetzt lacht er laut auf. „Komm, ich zeig dir das Zimmer.“

Ich folge ihm und er bringt mich in einen großen, hellen Raum. In der Mitte steht ein Bett, das mit heller Wäsche bezogen ist. Die Wände sind weiß mit Akzenten in altrosa und grau. Der Boden ist Hartholz. Es gibt einen Schreibtisch und eine Couch, Bücherregale, an den Wänden hängen Kohlezeichnungen. Studien von Menschen. Eine nackte Frau, die mit dem Rücken zum Betrachter sitzt, ihre dicken Haare zu einem lockeren Knoten gebunden. Ein Paar in inniger Umarmung. Ein Gesicht, das von Händen umrahmt wird. Mir verschlägt es wieder die Sprache. Die Zeichnungen sind unglaublich sinnlich, ohne irgendetwas zu zeigen.

Tom öffnet eine Tür und ich trete ins Badezimmer, hell gefliest, Badewanne und Dusche. Unglaublich. Dann öffnet Tom eine weitere Tür und dahinter befindet sich der Traum einer jeden Frau: ein begehbarer Kleiderschrank. Hammer. Ich bin eindeutig im Immobilienhimmel gelandet. Vergessen, dass ich gerade noch fliehen wollte. Vergessen, dass ich Tom ein bisschen unsympathisch finde. Vergessen, dass ich gar nicht weiß, wer die Mitbewohner sind. Ich will hier einziehen. Dieses Zimmer ist meins. Ich spüre es genau.

Und irgendwann, als ich wieder zu mir komme, fällt mir ein, dass ich gar nicht die Fäden in der Hand habe, sondern er. Er kann sagen, ob er mich haben will oder nicht. Es ist nicht meine Entscheidung, sondern seine. Und irgendwo in meinem Unterbewusstsein realisiere ich, dass ich vielleicht nicht den besten Eindruck gemacht habe. Wie kann ich das wieder korrigieren?

„Ich bin total sprachlos. Entschuldige. Es ist atemberaubend“, ich lächel ihn an. Ich versuche mich nicht von seinem Äußeren ablenken zu lassen. Ich versuche mich nicht von seinem Äußeren ablenken zu lassen. Ich versuche mich nicht von seinem Äußeren ablenken zu lassen. Was hat er gesagt?

Ich schaue ihn verständnislos an und er wiederholt: „Wir sind zu dritt. Bisher war das vierte Zimmer immer leer, weil wir niemanden gefunden haben, der zu uns allen gepasst hat. Die Wohnung ist toll, die Miete bezahlbar.“

„Ich bin echt begeistert.“

Er zuckt mit den Achseln. „Es haben sich noch ein paar andere das Zimmer angesehen, aber wie gesagt, die perfekte Person war noch nicht dabei.“

Hmmh, was soll mir das sagen? „Ich bin pflegeleicht. Ich hab einen festen Job, ich kenn hier nicht so viele Leute, es wird also nicht ständig jemand hier rumhängen, der nicht hier wohnt.“ Hört sich das zu verzweifelt an? Ich schenke ihm ein Lächeln.

Er grinst: „Hört sich gut an. Sag mir, du kannst kochen und du kannst einziehen.“

Echt? „Ich würde auch sagen, dass ich kochen kann, wenn ich es nicht könnte, nur um hier zu wohnen, aber du hast Glück, ich muss gar nicht lügen.“

„Perfekt! Ich hab ein gutes Gefühl bei dir. Du kannst den Vertrag gleich unterschreiben und dann sofort einziehen, wenn du willst.“

Das war ja einfach. Oder auch nicht. Schließlich hatte ich mir schon 67 Zimmer angeschaut, bis ich auf diesen Traum gestoßen bin. Gibt es einen Haken? Ehrlich gesagt, interessiert mich das nicht im Geringsten. Ich muss aus meinem jetzigen Zimmer raus und habe eigentlich keine andere Option, als dieses Zimmer zu nehmen. Und was kann schon schlimmstenfalls passieren?

Wir setzen uns an den Esstisch und er schiebt mir den Vertrag rüber. Ich lese ihn kurz durch, nichts ungewöhnliches, und unterzeichne. Perfekt. Wenn ich wieder draußen auf der Straße bin, muss ich einen kleinen Freudentanz aufführen. Hier und jetzt wäre das ein kleines bisschen unpassend.

„Wie gesagt, du kannst sofort einziehen, wenn du magst. Hier sind deine Schlüssel. Der Code für die Tür unten ist 6459.“ Er lächelt mich an.

Ich verabschiede mich, teile ihm mit, dass ich am Samstag einziehen werde, und verlasse mein neues Zuhause. Wahnsinn. Hammer. Krass. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, was ich denken soll, was ich fühlen soll. Ich bin berauscht, ja, das bin ich.

Unten angekommen führe ich einen kleinen Freudentanz auf, unterbreche ihn aber schnell wieder – und werde knallrot! -, als ich Lachen hinter mir höre. Ich schaue verschämt auf den Boden und eile davon.

 

Meine Mitbewohnerin Lacey sitzt am Küchentisch und wirft mir einen bösen Blick zu. „Ich hoffe, du hast endlich was Neues gefunden.“

Ist sie nicht liebenswert? Das komische ist, sie ist es eigentlich, oder besser gesagt, sie war es. Wir haben vier Jahre zusammen gewohnt und es war eine tolle Zeit. Dann hat sie vor einigen Monaten einen Mann kennengelernt. Sie wollte, dass er bei uns einzieht. Ich war damit einverstanden. Er hat gesagt, dass sie nicht von ihm verlangen kann, ihr treu zu sein, wenn ich ständig mit meinem nackten Hintern vor ihm rumwackeln würde.

Ja, es war passiert. Ich wusste nicht, dass er da war, und bin aus der Dusche gestiegen, habe mich abgetrocknet und bin dann in mein Zimmer gelaufen. Nackt. So, wie Lacey und ich das vier Jahre lang gemacht haben. Nur, jetzt war er da. Ich hab mich eine Million Mal bei Lacey entschuldigt, ihr erklärt, dass es keine Absicht war, dass ich nicht auf ihren Mann stehe… Aber es ist zwecklos. Das schreckliche Monster Eifersucht hat sein Haupt gehoben und unsere Freundschaft ist dahin.

„Ich zieh am Samstag aus“, antworte ich und gehe in mein Zimmer. Ich hab wirklich keine Lust, Zeit mit ihr zu verbringen.

„Thea, warte!“ Ich stoppe, drehe mich aber nicht um.

„Ich…“

„Schon okay, Lacey.“

Sie seufzt hinter mir. „Wie kannst du unsere Freundschaft einfach so wegwerfen?“

Wie bitte? Hat sie sie noch alle. Ich drehe mich um und werfe ihr einen Blick zu, der vor Verachtung nur so trieft. „Ich? Du bist doch diejenige, die mich raus schmeißt, weil ihr Stecher seinen Schwanz nicht in der Hose behalten kann.“ Ach ja, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass ihr Freund einen Steifen bekommen hatte, als ich nackt vor ihm stand, und dann versucht hat, mich ins Bett zu bekommen.

„Ich hätte echt niemals gedacht, dass du mir den Mann ausspannen würdest“, schreit mich Lacey an.

Das ist doch albern. „Weißt du was, Lace, akzeptieren wir einfach, dass die letzten vier Jahre eine reine Farce waren. Offensichtlich waren wir nie Freunde, wenn du das Wort eines Mannes, den du seit drei Monaten kennst, über meines stellst.“

Ich sehe, dass ich einen Nerv getroffen hatte. „Er ist mein erster Freund…“

Ja, ich weiß. „Und ich weiß echt nicht, inwieweit das dein Verhalten rechtfertigt.“

Sie streicht sich eine nicht-existente Strähne aus dem Gesicht, ein Zeichen, dass sie nervös ist. „Du bist heiß, Thea. Die Typen stehen auf dich. Keiner hat mich je beachtet, wenn du dabei warst. Ist es denn zu viel verlangt, dass ich einmal, nur ein einziges Mal, jemanden haben wollte, der mich mehr mag als dich?“

Ich seufze. „Das ist nicht zu viel verlangt. Aber du hast etwas so viel besseres verdient als diesen Arsch! Er spielt mit dir, bis er keinen Bock mehr hat und tauscht dich gegen eine andere aus.“

Sie schluckt und flüstert: „Nein, er liebt mich.“

„Wach auf, Lacey. Er hat versucht bei mir zu landen und er wird versuchen, bei anderen zu landen.“ Ich bin gemein. Ich meine es nur gut. Aber ich bin gemein.

Als wollte sie mehr sich selbst überzeugen als mich, sagt sie: „Du bist nur eifersüchtig, weil ich jetzt jemanden habe, der gut für mich ist, und ich nicht mehr in deinem Schatten leben muss. Du kannst es doch nicht ertragen, wenn dir jemand die Show stiehlt. Und dann auch noch deine hässliche Freundin Lacey. Du hast mich doch nur zu deiner Freundin erkoren, weil klar war, dass ich dir nicht das Wasser reichen kann.“

Das sitzt. „Du bist die einzige, die glaubt, dass du hässlich bist. Das Gegenteil ist der Fall. Du bist wunderschön, aber du siehst es ja nicht. Du bist so damit beschäftigt, Fehler zu finden, dass du vollkommen vergisst, deine Stärken zu sehen.“

Damit hat sie nicht gerechnet. Ihr treten Tränen in die Augen.

„Ich wünschte, du würdest sehen, was ich in dir sehe. Dann würdest du dich nicht mit Krümeln abgeben!“ Ich wünschte wirklich, dass ich Lacey was von meinem Selbstbewusstsein abgeben könnte. Sie ist so von Komplexen zerfressen, dass sie nicht sieht, was für alle anderen unübersehbar ist. Und das ist der eigentlich Abturner für die Männerwelt.

„Hör auf, Thea“, fleht sie.

„Du hast jemanden verdient, der gut zu dir ist, der den Boden anbetet, auf dem du gehst, der glaubt, du bist das Beste, das ihm je passiert ist. Jemand, der dich liebt, der dich für besonders hält. Das ist es, was du verdient hast, und kein erbärmliches Arschloch, das dich klein macht.“ Wieso tun Frauen sich das an? Wieso tun sich schöne, kluge und witzige Frauen so was an?

Ihr laufen die Tränen das Gesicht runter, ihre Unterlippe zittert.

„Du bist wichtig, Lacey. Einfach, weil du ein Mensch bist, bist du wichtig. Und du verdienst Respekt. Und Liebe.“

Ich stehe eine ganze Zeit da, warte auf ein Wort, etwas, das mir zeigt, dass sie mich verstanden hat. Es kommt nichts.

Ich drehe mich um, gehe in mein Zimmer und packe meine Sachen. Ich hab nicht viel, ein paar Bücher, Kleidung. Alles in allem, fünf Kartons und drei Koffer.

Ich bin vor zehn Jahren nach San Francisco gekommen und habe es irgendwie noch nicht geschafft, mir hier ein richtiges Leben aufzubauen. Ich wohne seit vier Jahren in diesem möblierten Zimmer, davor im Studentenwohnheim und in einer anderen WG. Seit zwei Jahren arbeite ich für ein Biotech-Unternehmen, die acht Jahre davor habe ich in Berkeley verbracht und mit einem PhD abgeschlossen. Dr. Theodora Bennett. Krass, oder? Nicht schlecht für ein Mädchen aus einer Kleinstadt in Florida.

Mein Leben dort war Scheiße, alles, was mich durchbrachte, war der Gedanke, ihm zu entkommen. Ich arbeitete hart, hatte beste Noten, bekam ein Stipendium und konnte schließlich entkommen. Ich habe in zehn Jahren nicht einmal zurückgeblickt, war nie wieder in der Hölle meines früheren Lebens. Es hat lange gedauert bis ich über all den Scheiß weggekommen bin, und jede Menge Therapiestunden. Ich geh immer noch manchmal zu meiner Therapeutin, wenn mich Dinge beschäftigen, einschneidende Ereignisse anstehen oder einfach nur, wenn ich mal Rat von einer neutralen Seite brauche.

Sie hat mir nach fünf Jahren mitgeteilt, dass ich nun allein klar kommen kann, und das stimmt auch. Ich habe gelernt mit meiner Vergangenheit zu leben, habe sie akzeptiert, kann damit umgehen, dass mir passiert ist, was mir passiert ist. Aber trotzdem kann ich nicht aufhören, zu ihr zu gehen, zumindest nicht ganz. Sie ist mein Rettungsring. Manchmal gehe ich monatelang nicht hin, aber ich kann es noch nicht als Ende akzeptieren.

Eine Sache hat sich jedoch nicht geändert, ich mag nicht alleine wohnen. Ich brauche das Gefühl, dass es jemandem auffällt, wenn ich weg bin. Mein schlimmster Alptraum ist es, tot in der Wohnung zu liegen und erst gefunden zu werden, wenn ich anfange zu stinken. Das hört sich an, als würde ich oft drüber nachdenken, oder? Ich meine das mit dem Alptraum auch nicht wörtlich. Ich träume nie davon, es ist eher was, was in mir eingebettet ist. Ergo WGs.

Und jetzt also eine neue. Ich frage mich, ob Tom wohl eine Freundin hat. Ach, Thea, fang nicht mit so kompliziertem Kram an. Etwas mit deinem Zimmernachbarn anzufangen, gehört absolut dazu. Das wird nur schwierig, wenn einer von euch mehr will als der andere. Einfach nur Sex ist nicht weit verbreitet.

Wer wohl die beiden anderen Leute sind, die auch da wohnen? Jungs oder Mädels? Einen Moment überlege ich, was ich tun würde, wenn es alles Jungs sind. Aber wie schon gesagt, ich stehe ein bisschen mit dem Rücken zur Wand. Und was wäre schon so schlimm, wenn es nur Männer sind? Ich bin eh mit meinem Job verheiratet und kaum Zuhause.

Mein Handy klingelt. „Hi, Sam!“ Meine einzige Freundin in der Stadt ist Samantha Michaels. Ich hab sie im ersten Jahr an der Uni kennengelernt. Es war Liebe auf den ersten Blick, kann man sagen. Sie ist immer für mich da und ich immer für sie, zwei Musketiere. Und der dritte ist Josh, unser bester Freund, der ebenfalls mit uns in der Unieinführung saß.

„Thea! Gehen wir heute abend was trinken?“ Sam ist immer gut gelaunt, immer bereit, die Nacht zum Tag zu machen.

„Heute ist Mittwoch“, ja, vielleicht bin ich ein kleines bisschen langweilig.

„Ja, und? Zeit für ein Bier ist immer.“

Ich zucke innerlich mit den Achseln. Wo sie recht hat… „Okay. Amelie um acht?“

„Ich sagte doch, Zeit für ein Bier. Und du schlägst eine Weinbar vor?“ Sie kichert.

„Naja, ich bin halt eine Rebellin…“

Ich kann ihr Grinsen beinahe sehen: „Oh, ja, schon immer gewesen.“

„Bis gleich!“

 

Als ich in der Weinbar auftauche, ist Sam schon da.

„Hey, Süße“, sie umarmt mich herzlich.

„Hi, Sammy, wie geht’s?“ Ich sehe, dass sie schon was zu trinken bestellt hat. Mein Lieblingsweißwein. Hmmh.

„Ich bin froh, dass das meiste der Woche schon rum ist“, antwortet sie. „Und du?“

Ich trinke ein Schlückchen. „Ich hab ein neues Zimmer gefunden.“

Sam strahlt mich an: „Das ist super! Dann musst du dir nicht mehr Laceys Rumgebitche antun. Darauf trinken wir.“

Ich nehme noch ein Schlückchen. „Die Wohnung ist echt traumhaft, die Miete allerdings auch höher als jetzt.“

„Aber du kannst es dir leisten…“ wirft Sam ein.

„Ja, sicher. Geld ist kein Problem mehr. Gott, wie sind wir jemals mit so wenig Geld als Studentinnen ausgekommen?“ Ich schüttele den Kopf. „Naja, jedenfalls sind es drei Mitbewohner oder Mitbewohnerinnen, keine Ahnung ehrlich. Ich glaub, ich war so von dieser tollen Wohnung geplättet, dass ich total vergessen habe, danach zu fragen. Aber es ist auf jeden Fall ein Mann dabei. Tom.“

Sam grinst: „Heiß?“

„Heiß ist gar kein Ausdruck! Riesig, bestimmt 1,90, dunkelblonde Haare, grüne Augen, ein Körper zum Niederknien. Hammer, echt. Ich weiß gar nicht, wie ich es ertragen soll, ihn jeden Tag zu sehen und ihn nicht anzufassen.“

Wenn sie könnte, würde sie noch breiter grinsen: „Niemand sagt, dass man nicht mit heißen Mitbewohnern vögeln darf.“

Ich streiche mir eine imaginäre Haarsträhne aus dem Gesicht: „Aber das würde das ganze doch sehr… kompliziert machen.“

Sie schaut mich verwirrt an: „Wieso das denn?“

Puh, manchmal ist sie schon ein bisschen schwer von Begriff. „Naja, weil es doch irgendwie komisch wäre, wenn man einen One Nighter hat und sich dann noch ständig sieht.“

Sie schüttelt irritiert den Kopf: „Ich weiß ja nicht, was du für Sex hast, aber wenn man sich vorher im Klaren ist, dass es nur ums vögeln geht, ist das doch nicht komisch. Im Gegenteil, es besteht die Möglichkeit, es bald noch mal zu machen.“

„Und was, wenn der Sex schlecht war?“

„Wie soll denn Sex schlecht sein, wenn du so ein heißes Stück Mann im Bett hast? Da reicht es doch schon, dass er sich auszieht und der Sex war gut“, sie lacht.

„Hast ja recht. Aber vielleicht ist es doch besser, wenn ich weiterhin woanders nach Sex suche und nicht gerade in meiner Wohnung.“ Ich erzähle ihr nicht, dass ich eine momentane Durststrecke von sechs Monaten erlebe.

„Hey, vielleicht ist einer der beiden anderen Mitbewohner auch männlich und du kannst einen Dreier mit ihnen haben.“ Sam sieht aus, als wäre das eine tolle Idee.

„Aber nur, wenn der andere auch so geil aussieht wie Tom. Echt jetzt, der Mann ist Sex am Stiel.“

„Hast du schon darüber nachgedacht, ihm einen zu blasen?“

Ich grinse sie an: „Du kennst mich echt viel zu gut.“

Sie zuckt mit den Schultern: „Ich weiß doch, dass du ein bisschen von Blowjobs besessen bist.“

„Wer bekommt einen Blowjob?“ fragt hinter uns eine männliche Stimme viel zu laut.

„Hi, Josh!“ rufen Sam und ich gemeinsam und finden uns in einer Umarmung wieder.

„Ach, ihr habt mir so gefehlt, ihr Zuckermäuse.“ Josh war zwei Wochen mit seiner neuesten Flamme in der Karibik.

„Und wie war es? Ist dein Schwanz vor lauter Sex abgefallen?“ fragt Sam.

Er sieht sie entsetzt an: „Sei doch bitte nicht so blasphemisch.“ Ich kichere. Josh ist einfach der Beste.

„Ich hab Jason nach drei Tagen in die Wüste geschickt und mit dem heißen Tauchlehrer angebandelt. Ich sag euch, jede Menge Blowjobs. Und wer bekommt noch welche? Ich wollte euch nicht unterbrechen.“

„Ich hab nur gerade erzählt, dass ich endlich ein neues Zimmer gefunden habe. Mein Mitbewohner Tom ist wahrlich Gottes Geschenk für die Frauen.“

Er schmunzelt: „Sicher, dass er nicht für’s andere Team spielt?“

„Brauchst du ein neues Boy Toy?“ fragt Sam.

Er übergeht die Frage: „Und er ist so heiß, dass du seinen Schwanz lutschen willst?“

Ich zucke mit den Schultern: „Ich würd nicht nein sagen.“

Er legt mir die Hand auf den Arm: „Herzchen, so leid es mir tut, aber Frauen können einfach nicht blasen.“

Sam ruft: „Was soll das denn heißen?“

Und ich: „Wieso nicht?“

Er kichert, und das ist wirklich das schwulste Geräusch, das ich je gehört habe: „Frauen können nicht blasen, weil sie selbst nicht wissen, was sich gut anfühlt und was nicht. Und Heteromänner wissen nicht, was ihnen entgeht und machen daher Frauen Glauben, dass sie gut sind. Schließlich ist selbst der schlechteste Blowjob noch fantastisch.“

Ich schaue ihn forschend an: „Wann zum Teufel hat dir schon mal eine Frau einen geblasen? Jegliches Schwulen-Radar schlägt doch bei dir schon an, wenn du noch eine Meile entfernt bist.“

„Touché.“

Wir fangen alle drei an zu kichern.

„Aber mal ehrlich, Schätzelein, ein BJ ist so viel mehr als Mund auf und ein paar Mal rauf und runter.“

„Wissen wir“, ertönt es unisono von Sam und mir.

„Zähne, Unterdruck, Saugwirkung, Würgereflex…“ Wir nicken. „Aber das wichtigste ist, Spaß dran haben und Abwechslung. Man oder frau sollte in der Lage sein, jemanden innerhalb von 20 Sekunden zum Abspritzen zu bringen, und auch wissen, wie man es eine halbe Stunde raus zögert.“

„Oh, weiser Meister des BJ, erleuchte uns“, scherze ich.

„Das ist natürlich von Mann zu Mann verschieden, aber viele Männer sind am Frenulum sehr empfindlich. Wenn man da leichte, flatternde Bewegungen mit der Zunge macht, kommen viele sofort.“

„Und wie ist das bei dir?“ fragt Sam.

„Herzchen, ich komm dann sofort“, grinst Josh.

„Gib uns weitere Tipps!“ verlange ich.

„Vergiss nie die Eier und schon gar nicht die Naht. Und bitte, bitte nur ein nasser BJ ist ein guter BJ, also viel Spucke verwenden. Und ich kann es nicht genug betonen, Vakuum aufbauen.“

„Was ist mit Deep Throating?“ fragt Sam.

„Was soll damit sein? Üben, üben, üben, das turnt jeden Mann an.“

„Aber wie ist das mit dem Würgen…“

Er schaut mich an, als wäre ich blöd: „Schätzelein, hast du das noch nie getan?“

Ich bin ein kleines bisschen verlegen: „Na, blasen schon, aber ich wurde noch nie in den Mund gefickt.“

Er ist entsetzt: „Da hast du aber was verpasst, Zuckermaus. Ich hoffe, dein nächster Mann macht das schnell wieder gut.“

Ich leg den Kopf schief: „Und wie ist das jetzt mit dem Würgen…“

„Nimm den Schwanz vorsichtig so tief in den Mund, wie du kannst. Dann mach Schluckbewegungen. So kommt er tief rein und du musst nicht würgen.“

Sam schaut ihn verwundert an: „Echt? Das muss ich mir dringend merken.“

„Ich sollte BJ-Seminare für Frauen geben. Scheint eine echte Marktlücke zu sein“, scherzt Josh. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob er es wirklich als Witz meint.

„Und was ist mit den Zähnen?“ frage ich.

„Hmmh, schwieriges Thema. Von Mann zu Mann verschieden. Besser ist, nicht verwenden, und warten, bis er darum bittet. Und wenn, dann nur ganz sachte, nicht die Bratwurst abbeißen.“

„Das versteht sich ja wohl von selbst…“, meint Sam.

„Und was macht man so mit den Eiern?“ frage ich.

„Küssen, lecken, saugen, massieren, kneten, dran ziehen, in den Mund nehmen, lutschen, nagen, knabbern, teabagging…“

„Dran knabbern? Ist der Hoden nicht zu empfindlich?“ will Sam wissen.

„Kommt auch wieder auf den Mann an, aber wenn es zärtlich ist, fühlt es sich geil an. Aber wartet besser auf die Anweisung, bevor ihr ihn verschreckt.“

„Jede Frau sollte einen schwulen besten Freund haben, der ihr die Feinheiten des Blasens erklärt“, meint Sam und ich stimme ihr zu.

„Ach, ihr Süßen, ich kann euch doch nicht durch die Gegend ziehen und schlechte Blowjobs geben lassen. Das wäre ja wie unterlassene Hilfeleistung.“ Josh ist schon ein Spezialfall…

„Wann ziehst du denn in die neue Wohnung?“ fragt Sam nach.

„Samstag. Lacey kann es kaum erwarten, dass ich weg bin und die Gefahr gebannt ist, dass ich ihren tollen Macker bespringe.“ Ich sage das mit mehr Bitterkeit als ich empfinde. Ich mag Lacey, echt. Und sie tut mir leid, sie hat einfach was Besseres verdient als diesen Abschaum.

„Sollen wir beim Umzug helfen, Herzchen?“

Ich schüttel den Kopf: „Ich hab nur ein paar Kartons und Koffer. Das schaff ich schon. Aber ihr könnt trotzdem kommen, Tom anstarren und gemeinsam mit mir sabbern.“

Sam grinst: „Du bist eine echt tolle Freundin, dass du deinen neuen sexy Mitbewohner mit uns teilst.“

„Dafür sind Freundinnen doch da.“

„Also, abgemacht, Samstag, 20 Uhr in deiner neuen Wohnung. Wir lernen deine Mitbewohner kennen und dann gehen wir tanzen!“ ruft Josh.

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