Leseprobe: This is us

Josh hat seine Arme um mich, hält mich, gibt mir den Trost, den ich jetzt brauche. Auch, wenn er ganze Arbeit leistet, es sind nicht seine Arme, die ich jetzt will. Ich will Matt. Matt, der mir erklärt, warum er mich da drin allein gelassen hat. Matt, der mir sagt, dass ich nicht abartig bin. Matt, der mir versichert, dass er mich will, dass er uns will.

„Süße, lass uns fahren, okay?“ fragt Josh und streicht über meinen Arm.

Ich nicke und er hilft mir auf. Er bringt mich zu seinem Wagen, macht die Tür für mich auf, hilft mir beim Einsteigen. Sein Blick ist besorgt. Wahrscheinlich denkt er, dass ich jetzt zum zweiten Mal an diesem Tag zusammenklappe.

Ich lehne meinen Kopf gegen den Sitz und atme tief durch. Nora hat jede Menge Mist erzählt, aber eigentlich muss mich das nicht tangieren. Was sie über mich denkt, sollte mir egal sein. Sollte. Scheiß auf sie. Ich streiche mir Haare aus dem Gesicht, die an meinen feuchten Wangen kleben.

„Geht’s?“ fragt Josh mich und wirft mir einen Seitenblick zu.

„Es brennt ein bisschen, aber Unkraut vergeht nicht, oder?“

Er wirft mir einen weiteren Blick zu. „Du bist kein Unkraut, Süße. Du bist eine Magnolie aus Stahl.“

Und mit dem einen Satz holt er mich aus meiner Depriphase. Ich lache laut los. „Oh, mein Gott, Josh, manchmal bist du echt so schwul!“

Er grinst und legt mir die Hand aufs Bein. „Na, das bin ich ja auch. Absolut schwul.“

Als ich mich beruhigt habe, meine ich: „Es tut ein bisschen weh, dass Matt mich nicht verteidigt hat.“

„Er war geschockt“, ist seine lapidare Antwort. Ja, weiß ich auch!

Ich nicke. „Ich weiß und… trotzdem.“

Und trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass er seine Mutter in die Schranken weist. Rational weiß ich natürlich, dass er es in dem Moment einfach nicht konnte, dass er beinahe schockgefrostet war nach den Worten seiner Mutter. Und wer würde das mehr verstehen als ich? Ich weiß, wie schlimm Worte das Verhältnis zu seinen Eltern zerrütten können. Im Zweifel für den Angeklagten, oder?

Ich schicke Will eine Nachricht, dass ich noch zu Josh gehe und er sich keine Sorgen machen muss. Seine Antwort:

 

Du bist ein bisschen spät, meine Liebste. Matt hat angerufen und gefragt, ob du schon Zuhause bist. Keine Sorgen machen? Kannst du vergessen. Komm nach Hause! x

 

Ich schreibe ihm zurück, dass ich so schnell wie möglich komme, aber einen Moment brauche.

 

Beweg deinen Arsch hierher! Dein Moment kann auch in meinen Armen stattfinden.

 

Arsch. Aber süß.

Josh fährt uns zu seiner Wohnung und ich sage nichts dazu. Ich will Matt jetzt nicht sehen. Oder eigentlich doch, aber irgendwie will ich, dass er zu mir kommt und nicht ich zu ihm. Ich will, dass er sich um mich bemüht, weil er es verkackt hat. Ist das blöd?

Und ich weiß, dass dies sein Kampf ist, dass er das ausfechten muss, genauso wie ich die Kämpfe mit meinen Eltern alleine bestehen muss, aber irgendwie wünschte ich doch, dass ich und meine Gefühle wenigstens ein bisschen einbezogen werden. Unfair, oder? Aber er hat mich bisher immer beschützt, jederzeit, hat mich gegen alles verteidigt, war mein Bodyguard. Vielleicht habe ich mich ein bisschen zu sehr auf ihn verlassen, vielleicht ist das eine Rolle, die er nicht immer ausfüllen kann, schon gar nicht, wenn seine ganze Welt ins Wanken geraten ist. Ist es ungerecht, zu erwarten, dass er sich um mich kümmert? Ein bisschen vielleicht. Und dennoch… Oder?

 

Ich liege auf Joshs Couch und bin immer noch entsetzt und geschockt und alle Synonyme, die man hierfür finden kann. Ich weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll. Die Dinge, die sie mir an den Kopf geworfen hat, fand ich schon schlimm, aber wie muss es Michael und Linda gehen, von ihrer Mutter zu hören, dass sie sie für unnormal hält? Sie scherzen immer alle, dass ihre Mutter die Menschen mit ihrer Intensität zum Weinen bringt, sie schafft es aber wohl auch mit ihrer Boshaftigkeit.

„Versuch noch mal Michael zu erreichen“, bitte ich Josh. Ich mache mir Sorgen um die drei, die ich in mein Herz geschlossen habe. Matt sowieso, aber auch Michael und Linda bedeuten mir viel.

In dem Augenblick klingelt es und Josh öffnet die Tür. Michael kommt völlig aufgelöst rein gestürmt. Als er mich sieht, überzieht sich sein Gesicht mit noch mehr Schmerz als zuvor. Er fällt praktisch neben mir auf die Knie, greift nach meiner Hand und murmelt: „Es tut mir so leid, es tut mir so leid.“

Ich streichel über seinen Kopf. „Mach dir keine Sorgen um mich. Wie geht es dir? Und Linda?“

Er schaut mich an: „Nicht gut. Matt ist bei Linda. Sie ist total zusammengeklappt. Ich meine, wer hat das geahnt?“

Scheiße, denke ich. „Wo sind sie?“ Auch, wenn ich eigentlich will, dass Matt zu mir kommt, ich kann Linda nicht alleine lassen. Ich muss mich um sie kümmern. Und wenn es Matt nur halb so schlecht geht, wie es Michael anzusehen ist, dann muss ich auch für ihn da sein.

„Bei euch Zuhause.“

Ich stehe auf. „Dann fahr ich da jetzt hin. Kannst du mir ein Taxi rufen, Josh?“ Er nickt und umarmt mich fest.

Ich drücke Michael. „Wenn du irgendetwas brauchst, ruf mich sofort an! Hast du verstanden? Sofort. Ich bin immer für dich da.“

Er hat Tränen in den Augen. „Danke, Thea.“ Ich drehe mich weg. „Und, Thea… Ich finde immer noch, dass du das coolste Mädchen der Stadt bist.“

Ich lächel ihn an, obwohl mir nach weinen zumute ist.

 

Ich schließe die Tür auf. „Matt?“

Er sitzt auf der Couch und hat Linda im Arm, die herzzerreißend schluchzt. Ich setze mich auf ihre andere Seite und lege den Arm um sie. Sie klammert sich an mir fest und ich drücke sie so nah an mich wie ich kann. Ich streichel ihre Haare, flüster ihr ins Ohr, dass ich sie so lieb hab und sie ein wunderbarer Mensch ist. Tom und Will kommen immer mal wieder, um nach dem Rechten zu schauen. Matt streichelt immer wieder über meine Finger und sieht mich traurig an. Und irgendwann sehe ich, wie auch seine Tränen fließen. Ich löse Linda sanft von mir und setze mich zwischen sie, lege einen Arm um sie und einen um Matt. Nur gerecht, dass ich mal stark für ihn bin, denke ich.

Er kuschelt sich in meinen Arm und weint sich an meiner Schulter aus. Ich küsse seinen Kopf, murmel auch ihm zu, wie sehr ich ihn liebe, was für ein toller Mensch er ist. Ich streichel ihre Köpfe, hoffe, dass ich ihnen ein bisschen Trost spenden kann. Ich weiß, wie schlimm man sich von seinen Eltern verraten fühlen kann und wie sehr das weh tut, wenn diejenigen, die einen eigentlich bedingungslos lieben sollten, es nicht tun. Aber von außen kann man da schlecht was tun. Ich kann ihnen sagen, wie sehr ich sie liebe und wie toll ich sie finde, aber das reicht in diesen Momenten einfach nicht aus. Und es zeigt sich, dass man auch als Erwachsener immer noch auf die Liebe und Anerkennung der Eltern baut. Egal wie alt man ist, bei ihnen ist man noch immer Kind.

Ich streichel Matts Gesicht, küsse seine Stirn. „Ich liebe dich, Matt.“

Er schlingt seine Arme um meine Taille, zieht mich näher. „Ich dich auch, Babe“, flüstert er. Er setzt sich auf, lässt sich von mir die Tränen abwischen, schaut mir in die Augen, sucht in ihnen, was? „Wie geht es dir? Du hast das meiste abbekommen.“

Ich lächel. „Schon okay, ich hab nur Kratzer.“

Er schaut verlegen nach unten. „Es tut mir so leid, Thea. So unendlich leid.“

Ich schüttel leicht den Kopf, streichel seine Wange. „Da gibt es nichts, Matty, was dir leid tun müsste.“

Er blickt mich an. „Ich hab dich nicht beschützt, dich nicht verteidigt.“

„Du warst geschockt. Ehrlich, wie denn auch nicht? Sie ist deine Mutter. Mach dir keine Gedanken um mich.“

„Aber du hast uns verteidigt“, meint er.

Ich zucke mit den Schultern. „Manchmal bin ich eben eine Löwenmama.“

Er lächelt leicht und streichelt meine Wange. „Danke.“

„Immer, Matty.“

Er küsst mich sanft auf die Lippen.

Linda wird wieder ruhiger. Ihre Schluchzer werden leiser, sie kann wieder leichter atmen. Matt reicht ihr die Tempobox und sie schnäuzt sich die Nase und wischt ihre Tränen ab. Sie schaut mich aus tieftraurigen Augen an und einen Moment denke ich, wie furchtbar es ist, dass sie noch so jung ist und doch schon in solche Abgründe geblickt hat.

Sie legt mir den Arm um den Hals, küsst mich auf die Wange. „Danke, Thea.“

„Kein Problem, Süße. Ich bin immer für dich da.“

Sie nickt. „Ich weiß, aber das meine ich nicht. Danke, dass du mich – und uns – verteidigt hast.“ Sie legt ihre Hand auf mein Herz. „Anstatt dich selbst zu verteidigen, wolltest du mich schützen.“

Ich spüre Matts Hände an meinem Gesicht. „Sie ist schon toll.“

Linda nickt. „Das ist sie. Ich hab’s sofort gesehen, als wir uns getroffen haben.“ Sie blickt mich an. „Und eines solltest du wissen, Thea. Matt mag dich nicht verteidigt haben, als du noch da warst, aber danach hat er Mom beinahe den Kopf abgerissen. So wütend habe ich ihn noch nie gesehen.“

Matt schaut verlegen. So süß, mein kleiner Bad Boy. „Naja, du bist halt mein Mädchen“, murmelt er.

Mein Magen knurrt, wie immer in solch äußerst unpassenden Momenten. „Scheiße, ich hab Hunger.“ Das bringt sie beide zum Lachen. „Bestellen wir was?“

Sie nicken beide. Matt steht auf und fragt bei Tom und Will nach, ob sie auch was wollen und bestellt dann Pizza. Hmmh, ich liebe Pizza.

„Geht’s dir wieder besser, Linda?“ frage ich sie sanft.

Sie lächelt leicht. „Ja, danke. Es war nur so schrecklich, es mal ausgesprochen zu hören.“

Ich schaue sie an, mir treten Tränen in die Augen. „Du bist nicht unnormal, Linda. In keiner Weise. Jeder Mensch ist anders. Lass dir nicht einreden, dass du nicht perfekt bist, so wie du bist.“

Sie zuckt mit den Achseln. „Aber ich bin merkwürdig. Ich weiß nicht, was an dir ist, aber ich hab schon lange nicht mehr mit einem anderen Menschen so viel gesprochen wie mit dir. Ich fühle mich irgendwie ganz in deiner Gegenwart. Aber eigentlich bin ich ziemlich merkwürdig.“

Ich streiche ihr ein paar Haare aus der Stirn. „Zum einen ist merkwürdig gut und zum anderen musst du auch nicht so sein wie andere. Du bist ja auch du, warum solltest du jemand anderes sein?“

Sie schluckt hart. „Weißt du, irgendwas ist in mir zerbrochen. Ich kann nicht mehr so fröhlich sein, wie ich es mal war.“

„Du musst auch nicht fröhlich sein, Süße. Nachdem was du erlebt hast, braucht man halt ‘ne Weile, damit es einem besser geht. Bei mir hat es auch gedauert. Ich war auch am Boden zerstört, war depressiv, hatte ständig Panikattacken. Auch noch als ich nach Frisco kam. Das geht nicht so schnell weg, Süße.“

„Aber zehn Jahre?“ fragt sie zweifelnd.

Ich nicke. „Manchmal braucht es eben zehn Jahre. Du bist nicht kaputt, Süße. Du bist ein toller Mensch, liebevoll, warmherzig, sensibel. Und ja, die sensibelsten Menschen zerbrechen manchmal an der Welt. Aber ich weiß, dass du auch stark bist. Du kannst all das hinter dir lassen und neu beginnen. Es wird immer ein Teil deines Lebens sein, aber es muss kein definierender Part sein.“

Sie schüttelt vehement den Kopf. „Ich bin nicht stark. Nicht stark wie du.“

„Doch, du bist stark. Du bist verdammt stark. Manchmal sieht man es selber gar nicht. Manchmal ist man so in seinem eigenen Kopf gefangen, dass man nicht erkennen kann, was die Welt sieht. Wir haben schlimme Dinge erlebt, aber wir sind nicht zerbrochen. Ich habe es überlebt und du auch. Du bist eine Überlebende.“

Sie schaut mich mit großen Augen an. Ich sehe wie meine Worte einsacken und wie Leben in ihren Blick kommt, ein Hauch von Feuer. „Ich bin eine Überlebende“, murmelt sie leise.

„Das bist du. Du hast das alles überlebt und wozu? Damit du dich vor der Welt verschließt? Auf gar keinen Fall!“

Sie lächelt mich an. Ihr Blick plötzlich fest, als wüsste sie genau, was sie will und wie sie es bekommt. „Meinst du, deine Therapeutin würde mich noch aufnehmen?“

„Mit Sicherheit.“ Ich ziehe sie hart an mich, schlinge die Arme fest um sie. Ich höre, wie sich hinter uns jemand räuspert und drehe mich um. Da stehen sie alle drei und betrachten uns. Und ich sag es nicht gern, aber mit Pipi in den Augen. Wo sind nur meine harten Kerle hin?

Matt kommt zu uns und zieht Linda in seine Arme. „Gott, Lynn, ich hab dich so lieb!“

„Ich dich auch!“ flüstert sie an seinem Hals.

Als er sie endlich loslässt, umarmen auch Tom und Will Linda. Tom ist ein bisschen zögerlich, aber sie lächelt ihn an und er wird mutiger. Währenddessen reißt mich Matt in seine Arme, hebt mich hoch und wirbelt uns einmal rum.

„Fuck, Babe, wenn ich dich nicht schon so sehr lieben würde, hätte ich mich gerade eben in dich verliebt. Danke, danke, danke“, murmelt er gegen meinen Hals. „Du weißt nicht, was mir das bedeutet.“

„Doch“, flüstere ich, „weil ich weiß, was es mir bedeutet.“

Mein Handy klingelt. „Kann einer dran gehen?“ bitte ich und Will zieht mein Handy aus meiner Handtasche.

„Hallo? Hier ist Will.“ Pause. „Ja, kommt doch her.“ Pause. „Wir haben Pizza bestellt. Soll ich da noch mal anrufen?“ Pause. „Okay, wird gemacht. Bis gleich.“ Er ruft noch mal bei der Pizzeria an und bestellt noch was nach.

„Josh und Michael kommen gleich her“, informiert er uns und ich lächel. Das freut mich.

Die beiden kommen eine Sekunde vor der Pizza und wir sitzen gemeinsam auf der Couch, lachen, quatschen, sind albern. Linda ist richtig redselig. Es ist eine wahre Augenweide und ich kann nicht wegschauen. Sie wirkt so jung, so fröhlich.

In diesem Moment trotz der dunklen Wolken am Horizont, die Nora dort aufgetürmt hat, bin ich unbeschreiblich glücklich.

Weit nach Mitternacht machen sich Michael und Josh auf den Heimweg und ich beziehe mein Bett für Linda neu. Ehrlich, wenn man regelmäßig Sex hat, bezieht man ständig die Betten, selbst dann, wenn man gar keinen Besuch hat. Nachdem Linda sich in mein Zimmer zurückgezogen hat, stehen wir im Flur rum.

„Wo schlaf ich?“ frage ich.

„Bei mir“, sagen sie in Variationen alle drei.

Ich grinse. „Das geht wohl schlecht.“

Will lacht. „Bei mir, weil du mir heute in die Eier getreten hast und ich jetzt ein bisschen Kuscheln brauche.“

Matt schlägt ihm auf die Schulter. „Witzig, Will, du bist raus, weil du es ihr eh nicht machen kannst.“

Will schaut ein bisschen verlegen. Wie süß, dass sie denken, dass sich bei mir alles nur um Sex dreht. Dabei gefällt mir persönlich kuscheln genauso. „Ich kuschel gerne mit Will.“

„Ha“, macht er und wirft Matt einen triumphierenden Blick zu.

Matt grinst mich frech an. „Komm schon, Babe, ich fick dich wie du es magst.“

„Hmmh, schwere Entscheidung“, meine ich. Ich schaue Tom an. „Was bietest du?“

Er lacht. „Wie auf einem Basar hier… Aber okay, ich biete vier Orgasmen.“

Sie lachen alle. Sie sind so doof. „Okay, regelt das wie Männer“, meine ich und wiederhole damit beinahe Matts Worte.

Sie spielen Stein, Papier, Schere und Will und Tom gewinnen gegen Matt und dann hat Will Stein und Tom Schere. Will reicht mir die Hand und ich lege meine in seine. „Gute Nacht, Jungs“, flöte ich.

Matt greift nach meiner Hand und zieht mich an sich. „So, nicht, Babe. Du gehst auf keinen Fall ohne Gute-Nacht-Kuss ins Bett.“ Und dann küsst er mich bis ich weiche Knie habe und praktisch in seinen Armen hänge. Er drückt mir seine Erektion in den Unterleib, um mir klar zu machen, was ich da verpasse.

Tom küsst mich lange und intensiv. Als ich mich löse, sage ich: „Kann ich dein Angebot morgen noch annehmen?“

Er grinst, schüttelt aber den Kopf. „Ich flieg morgen früh wieder zurück und bin dann erst Samstag wieder da.“ Ich schaue ihn traurig an. „Komm schon, meine Thea, schau nicht so traurig.“

„Ich mag aber nicht von dir getrennt sein“, meine ich und schenke ihm meinen besten Hundewelpenblick.

Er grinst. „Ich auch nicht. Aber morgen ist es ein Tag weniger als heute und das haben wir auch ausgehalten.“

„Naja, was heute so alles passiert ist, da weiß ich nicht, ob es sicher ist, wenn du mich alleine lässt“, lächel ich und streiche ihm die Haare aus der Stirn.

Er zieht mich in seine Arme und flüstert in mein Ohr: „Das will ich nie wieder erleben. Stell sicher, dass ich mir keine Sorgen um dich machen muss.“ Er küsst mich noch einmal und lässt mich mit einem Klaps auf den Hintern mit Will weggehen. Ich drehe mich noch mal um und sehe Tom und Matt da stehen mit hungrigen Augen.

Will hat mich und sich in Windeseile ausgezogen.

„Ich dachte, du kannst heute keinen Sex mehr haben“, lache ich.

Er grinst. „Kann ich auch nicht, denke ich. Aber das ist ja kein Grund, dass du angezogen bleibst.“ Er zieht mich an sich, so dass unsere nackten Körper gegeneinander gepresst sind. Ich schaue in seine Augen, die manchmal so eiskalt sind, und jetzt mitternachtsblau und funkelnd.

Er beugt seine Knie ein wenig und senkt seine Lippen auf meine. Hmmh, warum sind sie alle nur so wahnsinnig gute Küsser? Viel Erfahrung, sagt die kleine vernünftige Stimme in mir, der ich nur zu gerne ein für alle Mal den Mund zu tackern würde. Meine Lippen öffnen sich wie von selbst und seine Zunge gleitet sanft zwischen sie. Er leckt ein bisschen an ihnen, berührt meine Zunge zärtlich und als er spürt, dass ich Wachs in seinen Händen bin, intensiviert er unseren Kuss und schiebt mich in Richtung seines Betts. Langsam lässt er mich auf dieses gleiten und bedeckt meinen Körper mit seinem. Meine Hände wuscheln sich durch seine Haare, reiben zärtlich seine Ohren, was ihn zum Stöhnen bringt. Offenbar sind das nicht nur erogene Zonen bei Frauen, denke ich und lächel sanft, während seine Zunge mit meiner spielt.

Ich stelle meine Beine auf, nehme seinen Körper zwischen meine Schenkel. Er streichelt mein Bein entlang, meine Seiten, fährt über meine Brüste, umfasst meine Schultern, legt seine Hände um mein Gesicht und wirklich, er raubt mir den Atem. Wahnsinn, wie kann ein Mensch nur so küssen?

Er knabbert an meiner Unterlippe, sanft erst und dann ein bisschen fester, leckt mit seiner Zunge an meinen Lippen, zieht die Oberlippe von den Zähnen, nagt zärtlich an ihr. Seine Finger streicheln über meine Wangen, meinen Hals, meine Ohren, spielen in meinen Haaren. Meine Hände wandern zu seinen muskulösen Schultern, seinem Rücken, fahren über die Narbe, die er am mittleren Rücken hat, weil er sich beim Baumhausbau an einem spitzen Ast verletzt hat. Ich spüre seine Wirbel und lasse meine Finger wie Schmetterlingsflügel über seine Haut gleiten. Sie gleiten wieder nach oben, umfassen seine Schultern, die mit dem riesigen Tattoo und die ohne. Hmmh, er sieht so umwerfend gut aus!

Diese Art von Küsse bringen mich ganz eindeutig dazu, klatschnass zu werden, aber bei ihm, da tut sich gar nichts. Ich bete – und ich bete nie! -, dass ich ihn nicht ernsthaft mit meiner kleinen Aktion verletzt habe.

„Gott, Will“, stöhne ich an seinem Mund.

„Was, Baby?“ Seine blauen Augen suchen meine.

Ich schlucke. „Es tut mir so leid“, flüstere ich.

Er lächelt und streichelt meine Wange. Mir treten Tränen in die Augen, die er wegwischt. „Alles okay, Baby. Ich brauch nur einen Tag Ruhe. Morgen ist wieder alles gut.“

„Wirklich?“ frage ich.

Er nickt und lacht. „Du magst es verwunderlich finden, aber du bist nicht das erste Mädchen, das mir in die Eier getreten hat.“

Ich schaue ihn sprachlos an. „Nicht?“

Er grinst. „Nein, ich hatte dieses zweifelhafte Vergnügen schon einmal zuvor.“

„Gott, jetzt tut es mir noch mal so leid!“ flüstere ich und Tränen treten mir wieder in die Augen. „Wie ist das erste Mal passiert?“

„Ich hab ihr an die Titten gefasst und sie war nicht so dafür.“

Unglaube zieht sich über mein Gesicht. „Wie bitte? Es gab eine Frau, die William, den Großen, nicht wollte?“

Er schaut verlegen und reibt sich die Stirn. „Hmmh, also eigentlich hab ich sie am nächsten Tag doch noch flach gelegt.“

Ich lache leise. „Wie hätte das auch anders sein können?“

Er küsst mich sanft. „Süße, tu das ja nie wieder.“

Ich ziehe ihn fest an mich. „Nie wieder, nie wieder. Es tut mir so leid, Will!“

Er küsst mich. „Hör auf, mein Mädchen. Es ist alles okay, versprochen. Zwischen uns ist alles okay.“

Ich denke einen Moment nach. „Bestraf mich“, hauche ich dann.

Er zieht überrascht die Augenbrauen zusammen, dann grinst er. „Du hast echt ein schlechtes Gewissen.“

Ich nicke und er küsst mich wieder. Sanft und zärtlich, wie ich es liebe, neben hart und tief natürlich. Und ich denke nur, ich hab das heute nicht verdient, dass er so lieb zu mir ist.

Er löst sich wieder von mir, hebt seinen Körper an, dreht mich auf den Bauch und fährt mit seiner Hand über meinen Hintern. „Du willst also, dass ich dir den Hintern zur Bestrafung versohle?“

Ich nicke, bin aber gleichzeitig so aufgeregt, dass ich schwitzige Hände bekomme, die ich im Laken verstecke. Ich zittere ein bisschen bei seinen Worten.

Er gibt mir einen leichten Klaps und streichelt mich weiter. Dann beugt er sich über mich, sein Mund an meinem Ohr. „Ich würde dich nie zur Bestrafung versohlen, Thea. Nie.“ Er dreht mich wieder um und legt sich sanft auf mich. Er lächelt mich an, seine Lippen, seine Augen, voller Liebe und Zärtlichkeit. „Niemals, Baby.“ Er küsst mich sanft und ich schlucke heftig, ziehe ihn so nah an mich, wie es geht, will ihn nie wieder loslassen, in ihn kriechen. Jeder Millimeter Distanz zwischen uns ist bei weitem zu viel und fühlt sich an wie ein halber Kontinent. Er grinst als er merkt, wie ich verzweifelt an ihm ziehe, um ihm näher zu sein. Er löst sanft meine Hände, küsst jeden Finger einzeln und dann die Handfläche und den Rücken. Er verschränkt unsere Finger, legt die verknoteten Hände zwischen uns, eine gegen mein Herz und eine gegen seins.

„Du kannst mir nicht näher kommen als du es schon bist, mein Mädchen“, lächelt er. „Du hast schon mein Herz in Händen.“

Ich zerschmelze. In diesem Augenblick löse ich mich auf. Gleich macht es „puff“ und ich bin entschwunden. Mr. superarrogantes Arschloch hat es geschafft. Endgültig.

Ich hebe meinen Kopf, will seine Lippen wieder auf meinen spüren. Er lässt seine Lippen leicht gegen meine streichen, kitzelt meinen Mundwinkel mit seiner Zunge und grinst, als ich lächeln muss.

„Ich liebe dich, Thea Bennet“, flüstert er, während er mir direkt in die Augen schaut und sich unsere Seelen verschmelzen. Ich kann nichts dafür, dass es sich so kitschig anhört, es ist nur die pure Wahrheit. Und die ist halt manchmal pink und fluffig mit Schirmchen.

„Ich dich auch, mein Will“, murmel ich und zaubere mit diesen Worten ein süßes Lächeln auf sein Gesicht. Er legt sich neben mich auf die Seite, zieht mich mit dem Rücken zu sich, schließt seine Arme fest um mich, zieht mich ganz eng an sich. Ich lege meine Hände auf seine Arme, streichel ihn sanft und so schlafen wir ein.