Reflections

Tief ein- und ausatmen. Mut sammeln, nein, keine flüssige Courage antrinken, stell die Flasche wieder weg, Annie… War nur Spaß, aber ein bisschen Mut brauche ich schon. Schließlich wird das hier der bisher wohl persönlichste Post. Ich mein, ich hab Bücher geschrieben in denen auch Dinge von mir und meiner Vergangenheit vorkommen, aber es ist trotzdem erschreckend, sich anderen zu öffnen. Und es ist schrecklich, wenn man das Gefühl bekommt, andere verurteilen und beurteilen einen wegen der Dinge, die man berichtet hat. Obwohl einem das überhaupt nicht leicht gefallen ist. Private Dinge zu erzählen, seine Hoffnungen und Träume zu veröffentlichen, sich selbst angreifbar zu machen, verletzlich zu sein. Das ist schwer, sehr schwer.

Aber ich war immer der Meinung, dass manche Dinge nur heilen, wenn man darüber redet, wenn man sie erzählt, wenn man sich anderen mitteilt und so die Chance hat, den Dingen den Schrecken zu nehmen. Mir war es schon immer suspekt, wenn jemand in der Öffentlichkeit lieb Kind gespielt hat und dann hinter verschlossenen Türen die Sau rausgelassen hat. Das will ich nicht. Das bin ich nicht. Und trotzdem, trotzdem ist da diese Angst. Angst, eine Angriffsfläche zu bieten, noch einen Kratzer mehr auf der Seele rumzutragen. Ich war nie das coole Kind, wurde oft gehänselt, war nie beliebt. Prom Queen wäre ich nie geworden. Aber irgendwann ist man ja aus der Schule raus, nicht?

Aber jetzt komme ich ganz vom Thema ab. Also, ich bin jetzt 33. Ich hab immer gedacht, die 30er werden mein Jahrzehnt und ehrlich, fängt schon mal nicht schlecht an. Meine 20er waren ein up and down, viel Licht und auch Schatten. Ein ganz normales Leben halt.

Meinen 30. Geburtstag habe ich in Paris gefeiert, ich hatte einen tollen Job. Meine 30er haben gut angefangen, nicht berauschend, aber gut. Und dann kam dieses Jahr. 2014. Und ich kann es immer noch nicht fassen, wie sehr sich mein Leben geändert hat. Ich habe so viele tolle Menschen kennengelernt, wenn auch viele nur virtuell, aber trotzdem. Und alles nur, weil ich ein paar Geschichten geschrieben habe. Das macht mich unglaublich glücklich und demütig.

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten. Vielleicht haben sich einige von euch gefragt, warum ich über meinen Geburtstag verreist bin. Ich bin praktisch vor meinem Geburtstag geflohen. Ich wollte nicht Zuhause sein, wenn einige persönliche Beziehungen im Argen liegen. Ich hätte es nicht ertragen, Zuhause zu sein, den ganzen Tag auf eine Nachricht oder einen Anruf oder meinetwegen eine Email zu warten, und dann nichts zu bekommen. Daher bin ich geflohen, hab meiner Mutter gesagt, dass ich sie lieb hab, aber nicht Zuhause bleiben kann.

Und dann kam mein Geburtstag. Und ich war nicht Zuhause, ich war in Las Vegas. Ich hatte eigentlich gar nicht vor, dorthin zu fahren, aber ich hatte in den Tagen vorher schon bemerkt, dass es nicht so einfach ist, wie gedacht, nicht Zuhause zu sein. Daher musste ich was machen, worauf ich mich freuen kann. Also, Vegas. Ich hab bereits am 11.8. die ersten Nachrichten bekommen. Die ersten Glückwünsche, habe bei FB Nachricht nach Nachricht bekommen von Menschen, die mich nicht kennen, mir aber gratuliert haben. Und die eine Person, von der ich wirklich eine Nachricht wollte, hat nichts geschrieben. Ich lag in meiner unglaublich tollen Suite und hab mir die Augen ausgeheult, weil ich nicht mal meine Mutter da hatte, die mich in die Arme genommen hätte.

Ich hab mich noch nie so alleine gefühlt wie an diesem einen Tag. Aber all die Nachrichten haben mir geholfen. Sie haben mir gezeigt, dass meine Freunde mich lieben, dass meine Mutter mich liebt, dass so viele Menschen unbekannterweise an mir und meinem Leben Anteil nehmen. Ich bin also aufgestanden, hab geduscht und hab Geld verspielt… Mein Budget war eigentlich 100$, aber ich hab nach 40$ schon aufgegeben. Das war jetzt nicht so meins, aber ich war in einer Show. Elvis hat meine Hand geküsst. Das war schon eher nach meinem Geschmack.

Langer Rede, kurzer Sinn: Danke. Danke dafür, dass ihr für mich da wart, auch wenn ihr gar nicht wusstet, wie sehr ich das in dem Moment gebraucht habe. Vielen, vielen Dank.

 

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