Dieses eine Buch …

„Is that how you feel? Like your dreams are dying?“ – Wynn In Doubt von Emily Hemmer

Ich liege auf meinem Hotelbett in Phuket Town und heule mir die Augen aus dem Kopf. Wieso? Manche Bücher haben die Macht, dich aus den Socken zu hauen, so komplett, dass du weißt, dass irgendwas vollkommen falsch läuft. Dass irgendetwas nicht so ist, wie es sein sollte. Dass du dich eventuell auf dem falschen Weg befindest … und vielleicht nicht eben seit Kurzem erst.

Ich habe das obige Zitat gelesen und seitdem laufen die Tränen unaufhörlich. Und ich frage mich unweigerlich, ob ich mich selbst so fühle? Habe ich das Gefühl, dass meine Träume sterben?

Ja und nein.

NEIN: Als ich im Herbst meine beste Freundin in Berlin getroffen habe, hat sie mich irgendwann im Verlauf unserer endlosen Gespräche gefragt, was meine Priorität ist. Ohne zu zögern habe ich gesagt, Reisen. Daraufhin hat sie gesagt, dann musst du das tun, womit du das realisieren kannst. Weise Worte. Vielleicht war das schon der erste Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt? Denn, ich bin ja schon mal gereist. Auch damals kam ein Buch zu mir, dass mir in dunklen Stunden einen neuen Weg aufgezeigt hat. Damals war es Eat Pray Love, das mir gezeigt hat, das Reisen Heilung bedeuten kann.

Ich hatte ein gebrochenes Herz, ich hatte einen Scheißaushilfsjob, ich hab die Uni gehasst und ich hab mich mit mir selbst nicht wohlgefühlt, weil ich meinem Bild von mir selbst nicht gerecht geworden bin. Mir war klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, Therapie oder Reisen. Ich hab mich für letzteres entschieden,  was die beste Entscheidung in meinem Leben war. Ich bin also sechs Monate durch Lateinamerika gereist. Best Trip ever. Ich bereue keine Sekunde, das war genau, was ich brauchte.

Danach konnte ich mein Leben fortsetzen. Ich hab nach der Uni einen echt coolen Job gefunden, den ich sehr gerne gemacht habe, auch, wenn das mit Sicherheit nie mein Traumjob war. Aber er war gut für fünf Jahre. Er hat mich gefordert, aber nicht zu sehr, dass ich nebenbei nicht noch ein, zwei Bücher schreiben konnte. Und trotzdem war ich froh, als ich Mitte April die Entscheidung getroffen habe, zu kündigen. Dann kam alles andere. Ich hab es ja schon fünfhundert Mal gesagt, aber ich habe nie mit diesem Erfolg gerechnet. Schreiben und davon leben zu können, ist ein wahrgewordenes Wunder.

Daher nein, meine Träume sterben nicht. Ich lebe gerade meinen Traum. Ich bin in Thailand, ich kann von dem Leben, was ich sehr gerne mache. Es ist ein wahrgewordener Traum.

JA: Gleichzeitig scheint aber auch etwas zu fehlen, sonst hätte ich nicht so reagiert, wie ich reagiert habe, als ich diese beiden kurzen Fragen gelesen habe. Also, was ist es? Ich bin nicht wirklich glücklich. Ich weiß auch weswegen. Wie kann man auch glücklich sein, wenn ein Stück seines Herzens fehlt? Ich lebe den einen Traum und habe den anderen dadurch verloren. Und Tag für Tag tut es weh, und Tag für Tag frage ich mich, ob ich anders gehandelt hätte, wenn ich gewusst hätte, was passieren wird. Und die Antwort ist nein. Ich würde immer wieder alles genauso tun, wie ich es getan habe. Aber es ändert nichts daran, dass auch nach neun Monaten immer noch alles so weh tut als wäre es gestern gewesen.

Und nun liege ich hier in Thailand auf dem Bett, weine um das, was ich verloren habe, befürchte, es nie wieder zu bekommen. Und dann frag ich mich, ob ich nicht den ersten Schritt machen soll, und weiß doch gleichzeitig, das das fatal für mich wäre. Denn auch wenn ich mich danach sehne, kann ich nicht immer und immer wieder die Bedürfnisse anderer vor meine eigenen stellen. Irgendwann muss ich realisieren, dass Selbstliebe manchmal vor Nächstenliebe kommen muss.

Aber das ist schwer … Vor allem, wenn man immer anders gehandelt hat …

Wenn ich so darüber nachdenke, dann wird mir bewusst, dass ich nichts tun kann. Manchmal muss man eben auch abwarten können, sehen, wie sich alles entwickelt. Vielleicht gibt es noch eine Chance, vielleicht gibt es keine. Aber ich muss lernen, dass Glücklichsein aus einem selbst kommen muss. Man muss mit sich selbst im Reinen sein. Andere Menschen können zum Glück beitragen oder auch nicht, aber wenn man selbst nicht glücklich ist, dann macht einen auch niemand anderer glücklich.

Und die Moral von der Geschicht: Geh und lebe. Finde einen neuen Traum.

P.S.: Das Buch ist WIRKLICH gut! Nicht nur, weil es mich zum Nachdenken gebracht hat 😉

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