Kiss the frog to get the prince – Teil 3

Kiss the

Erschrocken drehe ich mich um. Instinktiv schaue ich nach oben, weil die meisten Menschen sehr viel größer sind als ich. Mein Blick trifft auf grün-braune Augen, die mich amüsiert anblicken. Ich kneife meine Augen ein wenig zusammen, hoffe, dass ich nicht so verschreckt wirke, wie ich mich gerade fühle.

»Was machen Sie hier?«, frage ich und bin erfreut, dass sich meine Stimme fester anhört, als ich befürchtet hatte.

»Das könnte ich dich ebenso fragen«, antwortet er mir und seine Lippen kräuseln sich spöttisch. Auf seinen Wangen erscheinen jungenhafte Grübchen und mir ist sofort klar, dass er nur Unsinn im Kopf hat, so etwa mich zu duzen, während ich ihn sieze.

»Ich hab zuerst gefragt.« Sobald die Worte ausgesprochen sind, will ich mir vor den Kopf schlagen, weil sich das ganz und gar nicht kindisch anhört. Nein, bewahre.

Er grinst, als er sagt: »Ich war zuerst hier.«

Ich spüre wie mein Mundwinkel zuckt, aber ich unterdrücke das Gefühl. »Ladies first.«

»Ja, genau, du antwortest als erstes auf meine Frage«, neckt er mich.

»Auf keinen Fall. Sagen Sie mir sofort, was Sie hier tun!«

Er lacht leise, bevor er sagt. »Die Wahrheit?«

»Nein, ich möchte, dass Sie mich anlügen«, entgegne ich sarkastisch.

Aber das bringt ihn nur noch mehr zum Lachen. Ich weiß nicht, wieso, aber die belustigten Laute, die da aus seinem Mund kommen, hören sich an, wie die schönste Melodie.

Als er sich beruhigt hat, greift er an mir vorbei zum Vorhang, öffnet ihn einen Spalt und zeigt mit der anderen Hand in die Richtung einer blonden Frau. Er ist mir so nah, dass sein Duft meine Sinne benebelt. Er beugt sich zu meinem Ohr und sagt mit seiner tiefen Stimme leise: »Ich verstecke mich.«

Ich schüttel kurz den Kopf, um wieder klar zu werden, und frage: »Was tut sie denn?«

Seine Lippen berühren mein Ohr beinahe, als er sagt: »Sie will mich.«

Bilde ich mir das nur ein oder atmet er absichtlich gegen meine Haut? »Und das ist schlimm, weil?« Ich bin unglaublich stolz auf mich, dass ich es schaffe, einigermaßen intelligente Konversation zu betreiben, obwohl mir ein Mann so nah ist. Und nicht irgendein Mann. Ein sexy Mann.

Er löst sich von mir, und meine Haut schreit beinahe auf, weil er mich nicht mehr wie ein warmer Kokon umhüllt, sondern die kühle Luft ihn ersetzt. Er tritt einen Schritt zurück und dann einen zweiten und noch einen. »Weil sie eine Klette ist und ich kann Kletten nicht ausstehen.«

»Okay«, sage ich mehr als zweifelnd.

»Jetzt bist du dran. Was machst du hier?«, fragt er und verschränkt die Arme vor der Brust. Ich glaube natürlich nicht eine Sekunde, dass das eine unbeabsichtigte Bewegung ist, schließlich habe ich Augen im Kopf und kann sehen, was die neue Position für seine Brust- und Armmuskeln tut. Und ja, ich gebe es zu. Es ist hart, ihm respektvoll ins Gesicht zu schauen, während ich immer lieber vollkommen ohne Respekt auf den wohltrainierten Oberkörper starren möchte. Mach mich das zur Sexistin? Hab ich absolut kein Problem mit. Aber würde er das gleiche machen, hätte er schon schlechte Karten.

»Fein, ich sag es Ihnen«, gebe ich mich geschlagen.

Er schaut mich erwartend an.

»Meine Füße tun weh und ich wollte mich kurz ausruhen.«

Er schenkt mir ein Lächeln, dass mein Herz zum stoppen bringt. Dum-dum, dum-dum, dum-dum fängt es wieder an, aber es schlägt in einem ganz anderen Takt als zuvor. Ich spüre ein kleines Flattern in der Magengrube.

»So, nicht, Darlin’. Was ist der wahre Grund?«, fragt er amüsiert.

»Das ist der wahre Grund«, entgegne ich. Er schaut mich nur ruhig an. Aber irgendwas ist in seinem Blick, das mir klar macht, dass er sehr viel sturer ist, als ich. Und das will schon was heißen.

Zum ersten Mal schaue ich ihn richtig an. Er ist groß, aber das wusste ich ja schon. Bestimmt 1,90, vielleicht größer. Er wirkt beinahe doppelt so groß wie ich. Aber ich bin ja auch nur 1,60. Er hat breite Schultern. Ein langärmeliges Shirt spannt über seiner muskulösen Brust und schmiegt sich an seinen durchtrainierten Bauch. Seine Hüften sind schmal und durch die verschränkten Arme vor seiner Brust ist das Oberteil ein wenig hochgerutscht und gibt einen Streifen gebräunter Haut frei, die ich gerne anlecken will. Seine Augen sind außen grün und innen goldbraun, sie werden von dunklen Wimpern umrahmt, die dichter sein könnten, aber es tut seinem Aussehen keinen Abbruch. Seine Augenbrauen sind gerade, nicht gezupft, seine Nase hat keine Hügel und ist vielleicht einen Tacken zu breit. Seine Oberlippe ist schmaler als seine Unterlippe, aber beide sind ungewöhnlich voll für einen Mann. Aber ganz ohne schwülstig zu wirken. Sie sind von einem zarten Rot, was das Gefühl gibt, dass er vor wenigen Minuten jemanden geküsst hat.

Mein Blick wandert zu seinen Haaren, die dunkelblond sind. Sie sind nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Sie stehen ein wenig zu Berge, so als hätte er ständig seine Finger drin. Oder vielleicht auch eine Frau …

Alles an ihm sieht einzeln schon gut aus, aber zusammengenommen ist er ein unglaubliches Paket, dass ich unglaublich gerne auspacken möchte. Und dann die ganze Nacht damit spielen, wirft mein Unterbewusstsein ein.

Er schaut mich immer noch unverwandt an, und ich muss schlucken. »Okay«, sage ich, »der wahre Grund ist der, dass ich gar nicht hier sein wollte, ein Freund mich mitgeschleift hat, und ich mich im erstbesten Moment hier versteckt habe, um meine Ruhe zu haben.«

»Und dann tauche ich auf und ruiniere alles«, ergänzt er.

Ich nicke. »Genau.« Ich will nicht zugeben, dass er alles tut, aber ganz sicher nichts ruiniert.

»Pech für dich«, sagt er grinsend.

Am liebsten würde ich ihm sein Grinsen vom Gesicht wischen. Und dann alles, was weh tut, besser küssen. Wie sich wohl seine Bartstoppeln auf meiner Haut anfühlen?

»Sie sind unverschämt«, sage ich, weil ich ihm nicht zeigen will, wie sehr er mich berührt.

»Komm schon, Darlin’«, sagt er und zum ersten Mal registriere ich, den leichten Südstaaten-Zungenschlag. Eindeutig Alabama oder Mississippi. Naja, irgendwas im Süden halt. »Du magst so tun, als würde ich dich nicht im geringste beeindrucken, aber ich wette, dein Höschen ist schon nass.« Er schenkt mir dieses Lächeln, das seine Grübchen voll zur Geltung bringt, und meine Knie zum wackeln.

»Unglaublich«, murmel ich und weiß nicht so recht, ob ich ihm eine kleben oder ihn küssen soll.

Er nimmt mir die Entscheidung ab, zieht mich mit einer schnellen Bewegung an sich, so dass meine Brüste gegen seine Brust gepresst ist. Eine Hand greift an meinen Hintern, drückt mich gegen seine Erektion. Gott, ist er hart! Die andere wandert in meinen Nacken und hält mich in Position, als sich seine Lippen gegen meinen pressen.

Sanft leckt seine Zunge an der Stelle, an der meine Lippen aufeinander liegen. Ich will mich wehren, mich empören. Aber stattdessen öffnet sich mein Mund mit einem leisen Stöhnen ohne mein Zutun.

Er fackelt nicht lange und nimmt die Einladung ohne viel Federlesens an. Als seine Zunge auf meine trifft, ist es, als würde ein Feuerwerk explodieren.