Kiss the frog to get the prince – Teil 5

Kiss the

Es geschieht so plötzlich, dass ich alles nur verschwommen sehe. Der Riesenkerl vor der Tür holt aus und seine massige Hand saust durch die Luft. Die Faust trifft auf einen Kiefer, nicht meinen, und es macht ein ekeliges Geräusch. Gott, ist das furchtbar!

»Ich bin ruiniert und nur wegen dir!«

Er holt erneut aus. Dann geht alles schnell. Mein Retter stößt mich zurück, sodass ich taumelnd durch den Flur wanke. In derselben Sekunde fährt seine Hand hoch und schließt sich um die riesige Faust.

Ich kann mich halten, lehne an der Wand. Wow, er hat die Hand aufgehalten. So was habe ich bisher nur im Kino gesehen. Wie kann das möglich sein? Wow.

Er beugt sich zu dem tollwütigen Kerl. Seine Stimme ist leise und bedrohlich, als er sagt: »Es ist nicht meine Schuld, wenn Sie Ihren Schwanz nicht in der Hose lassen können.«

Hat er das wirklich gesagt? O mein Gott! Wo bin ich hier gelandet?

»Das wirst du büßen!«

»Vielleicht, aber vielleicht auch nicht.«

Unsanft schiebt er ihn aus der Wohnung und schließt die Tür vor seinem Gesicht. Er bleibt einen Moment stehen, Schultern zusammengesackt, alle Muskeln angespannt. Dann dreht er sich zu mir um.

»Alles okay mit dir, Darlin’?« Mit großen Schritten kommt er auf mich zu. Seine Finger streichen über mein Gesicht, meine Schultern, meine Arme, als wollte er sich davon überzeugen, dass tatsächlich alles mit mir in Ordnung ist, ich nicht verletzt bin.

Ich nicke. »Was … wer …? Wer war das?«

Er zuckt mit den Schultern und geht zurück in die Küche. Ich eile neben ihm her, will wissen, was passiert ist. Muss es wissen.

»Wer war das?«, frage ich erneut.

»Niemand. Mach dir keine Sorgen.«

Er schüttet sich Kaffee ein.

»Ich soll …«, fassungslos schüttel ich den Kopf, »ich soll mir keine Sorgen machen? Da stand ein Bär von einem Mann vor der Tür und hat dich geschlagen? Und ich soll mir keine Sorgen machen?«

Er zwinkert mir frech zu. »Oh, Darlin’, ich wusste gar nicht, dass ich dir was bedeute. Du kannst es besser küssen, wenn du willst.« Dann grinst er anzüglich. »Ich wünschte, er hätte mir in die Eier getreten.«

Wie bitte? »Was?«

Er lacht. »Hast recht, das wünsche ich mir mit Sicherheit nicht. Du kannst auch auf die Knie gehen, ohne dass mir ein Arsch vorher die Juwelen poliert.«

»Äh … was?«

Er grinst und schüttet mir auch noch Kaffee ein. »Setz dich. Du siehst nicht gut aus.«

»Das ist nicht besonders nett«, antworte ich, setze mich aber doch. Irgendwie war das gerade ein wenig viel.

»Du bist immer heiß, Darlin’, aber ich will nicht, dass du umkippst.«

Ich trinke einen Schluck und schaue ihn dann an. »Wer war das?«

Er macht eine wegwerfende Handbewegung. »Ach, nur so ein Typ, dem es nicht gepasst hat, wie ich meinen Job gemacht habe.«

Ich überlege einen Moment. »Was ist dein Job? Bist du bei der Polizei?«

Er fängt schallend an zu lachen. »Nein, Darlin’, das nun wirklich nicht. Sagen wir, ich decke Betrugsfälle auf.«

»Wie ein Privatdetektiv?«

Er grinst. »So was in der Art.«

»Aber …«

»Genug Fragen. Willst du duschen, bevor ich dich nach Hause bringe?«

Ich nicke und er bringt mich ins Bad. »Ich hab zwar nicht viel Auswahl, was Shampoo und so betrifft, aber du kannst alles verwenden, was du willst.« Er holt Handtücher aus einem Schrank und gibt sie mir. »Ich schau nach einer Jogginghose und einem Pulli und leg sie dir vor die Tür.« Er wendet sich ab, geht halb zur Tür raus. »Oder brauchst du Hilfe beim duschen?«

»Sehr witzig. Nein, danke!«

Er lacht, als er rausgeht und die Tür hinter sich schließt. Ich grinse, obwohl ich gar nicht will. Irgendwas hat er, dass mich dazu bringt, vollkommen anders zu handeln, als jemals zuvor.

Ich drehe das Wasser auf, stelle mich unter die unglaubliche Regendusche, wasche den Dreck ab. Echt, ich hab total viel Glück gehabt, dass er da war, und dass mir nichts passiert ist. Wenn ich mir vorstelle, was alles … Nein. Nicht. Ich will da nicht drüber nachdenken. Es ist nichts geschehen. Ich hatte Glück, weil … Wie heißt er eigentlich? Mir fällt mal wieder auf, dass ich ihn gar nicht nach seinem Namen gefragt habe.

Ich seife mich ein, massiere Shampoo in meine Haare. Gott, tut das gut. Das Wasser plätschert leise um mich herum. Ich könnte hier echt die Zeit vergessen. Ich höre die Tür auf und zu gehen.

Einen Moment hoffe ich, dass er zu mir kommt. Äh, was? Habe ich das wirklich gerade gedacht?

Ich versuche durch die beschlagene Scheibe etwas zu sehen. Aber da ist nur Nebel. Ich drehe das Wasser ab, steige aus der Dusche, trockne mich ab. Da fällt mein Blick auf den Kleiderstapel, der fein säuberlich auf dem Toilettendeckel liegt. Ich lächel leicht. Er ist echt süß, oder?

Es klopft leise an der Tür. »Alles okay, Darlin’? Du bist eine Ewigkeit da drin.«

»Eine Sekunde«, rufe ich zurück.

»Was?«, fragt er und drückt die Klinke runter. Plötzlich steht er im Türrahmen und ich kann gerade noch so eben mein Handtuch festhalten.

Ich werd rot. »Ich sagte, ich bin gleich fertig«, flüstere ich schüchtern.

Er lehnt sich gegen den Rahmen und verschränkt die Arme vor der Brust. Langsam wandert sein Blick über jeden Zentimeter meiner Haut. Denn leider halte ich zwar das Handtuch fest, aber nicht vor meinen Körper. Als ich aus meiner Starre aufwache, ändere ich das sofort, aber es nützt nichts. Ein zufriedener Ausdruck erscheint auf seinem Gesicht.

»Ich hätte nicht gedacht, dass du dich beim ersten Date ausziehst«, grinst er anzüglich, bevor er aus dem Bad geht, und die Tür wieder schließt.

Mit hochrotem Kopf sinke ich auf den Wannenrand. Das darf doch nicht wahr sein, denke ich.