#likeawriter – Wie schreibt man ein Buch

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Wie schreibt man ein Buch? Darauf gibt es nur eine Antwort. Man setzt sich hin und schreibt. Wenn jemand so wie ich im Liegen schreibt, kann er das natürlich auch tun. Oder im Stehen. Aber das stelle ich mir unpraktisch vor. Aber es bleibt dasselbe Ergebnis. Man tut es.

Aber meist hat diese Frage ja eine ganz andere Bedeutung, als die offensichtliche. Wer diese Frage stellt, will ja gar kein Buch schreiben, sondern eine Geschichte erzählen, die so viel mehr ist, als nur ein Buch mit Seiten, bestehend aus Papier, mit Druckerschwärze, die Worte, Sätze, Abschnitte bildet. Es geht nicht um das Medium, das entsteht, sondern um das, was sich aus den einzelnen Buchstaben zusammensetzt. Ein Buch schreiben kann jeder … Es gibt kein Diplom, das man bekommt. Du hast vier Jahre studiert, du darfst jetzt ein Buch schreiben. Jeder kann sich hinsetzen und schreiben. Es mag vielleicht nicht das Resultat sein, das du dir erhofft hast, aber wenn du nur genug schreibst, kann daraus ein Buch entstehen.

Die eigentliche Frage ist jedoch, wie schreibt man eine Geschichte. Und hier wird es kniffelig, weil es keine allgemeingültige Antwort gibt. Manche haben eine Idee, sie im Kopf reifen muss, bevor sie aufs Papier gebracht wird. Manche fangen einfach mit einem Wort, einem Satz, einem Absatz an und die Story entwickelt sich, während man in die Tasten haut. Andere planen alles akribisch auf dem Papier, bevor sie auch nur einen Satz der Geschichte schreiben.

Und wisst ihr was? Es gibt kein richtig und falsch. Es muss für dich funktionieren, wenn es das tut, hast du alles richtig gemacht.

Es scheint aber zwei grobe Strömungen zu geben. Die einen, die viel Vorarbeit leisten. Sie schreiben ein Skript, legen fest, wie die Geschichte sich entwickeln soll, welche Kapitel es geben wird, welche Charaktere vorkommen, legen vielleicht schon einzelne Szenen fest. Manche Autor*innenen haben hundert, zweihundert Seiten, die ihnen helfen, die Essenz der Story nicht aus den Augen zu lassen. Sie haben den größten Teil der Arbeit schon hinter sich, wenn sie anfangen zu schreiben.

Die andere Strömung ist die des einfach drauf los schreibens. Man beginnt einfach und hofft, dass sich der Plot beim Schreiben entwickelt, dass die Charaktere quasi ihr eigenes Leben in die Hand nehmen und zu erkennen geben, wohin die Reise gehen soll. Man hat keine oder wenig Vorarbeit, muss aber während des Schreibens mehr schuften, da man ja noch gar nicht weiß, wo man eigentlich landen will. Und – so geht es mir zumindest – muss am Ende noch einmal viel an der Geschichte feilen, weil sich Dinge entwickelt haben, die man am Anfang nicht vorhersehen konnte und somit auch nicht angelegt hat.

Beides hat seine Vor- und Nachteile, aber jeder muss für sich herausfinden, welche Arbeitsweise zu einem passt. Grob gesagt gehe ich davon aus, dass ein Thrillerautor*innen eher zur ersten Variante greifen sollte, denn ein Thriller mit Logikfehlern ist nur halb so gut. Meist gibt es so viele verschiedene Ebenen, mehrere Plotstränge, die sich überkreuzen und miteinander verweben, das es quasi unmöglich ist, alles stringent zu halten, wenn man sich nicht vorher über die Struktur Gedanken gemacht hat. Auch jemand, der historische Romane schreibt, hat viel Vorarbeit zu leisten, vor allem dann, wenn es eine neue Epoche ist oder überhaupt das erste Mal, das man in diesem Bereich schreibt. Fantasyautor*innenen müssen ganz neue Welten erschaffen und auch da denke ich, kommt man nicht ohne sorgfältiges Planen aus.

Die zweite Art ist dagegen eher bei Liebesromanautor*innen zu finden. Natürlich ist das Phänomen der dritten Hand bekannt, aber das macht eine Geschichte nicht vollkommen unmöglich. Wenn man dagegen schon auf Seite drei weiß, dass es Fräulein Ming mit dem Seil im Musikzimmer war, dann ist der ganze Spaß verloren.

Als ich meine erste Geschichte geschrieben habe, habe ich mir ebenfalls ein Skript geschrieben. Ich hatte fünfzehn Seiten, darauf waren die Kapitel vermerkt, was geschehen soll, wer vorkommt. Und schon im ersten Kapitel kam alles anders, als gedacht. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe das Gefühl, dass meine Charaktere ungewöhnlich stur sind. Jedenfalls konnte ich damit meine Vorarbeit vergessen und habe beschlossen, dass ich einfach mit dem Flow gehe. Und dann am Ende nacharbeite, die Augenfarbe anpasse, das Alter, weil ich all das zwischendurch vergessen habe, und es mir natürlich nicht aufgeschrieben habe.

Aber wozu du dich auch entscheidest, es muss für dich passen. Wenn du eher der organisierte Typ bist, dann liegt dir vielleicht auch eher das organisierte Schreiben oder gerade gar nicht. Wichtig ist, es einfach auszuprobieren und dann anzupassen, wenn man weiß, was man mag. Das Ergebnis zählt.

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