Das geheime Leben einer modernen Nonne – Teil 3

Banner

Natürlich zu den Perspektivlosen. Oder zumindest habe ich so angefangen. Meine Perspektive ist es, meiner Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Für mich selbst? Naja, von Träumen wird man nicht satt.

Aber vom strippen. Es ist schon erstaunlich, wie viel betrunkene Männer als Trinkgeld geben. Was natürlich auch der Grund ist, warum ich hier bleibe. So viel verdient ein Mädchen ohne Collegeabschluss nirgendwo sonst. Vielleicht noch als Escort, aber da müsste ich dann wohl doch die Beine breit machen.

Was mich zurück zu meinem Statement bringt. Ich habe keinen Sex. Nach Patrick war ich schwanger, und vielleicht stehen Männer drauf, wenn ihre eigene Frau schwanger ist, wenn man aber von einem anderen Mann ein Kind bekommt, machen sie doch eher einen großen Bogen, zumindest in meiner Kleinstadt. Und dann hatte ich einfach keine Zeit. Es ist anstrengend ein Baby zu versorgen. Abgesehen davon, dass ich mich auch nicht sexy gefühlt habe und daher niemals auf die Idee gekommen wäre, zu daten.

Dann kam ich nach Vegas und die Idee mit einem der Männer, die ich hier tagtäglich sehe, was anzufangen, dreht mir den Magen um. Ich bin mir sicher, dass es auch andere Männer gibt, aber zu denen habe ich keinen Kontakt. Ergo mein Zölibat. Als wäre ich tatsächlich eine Nonne.

»Diamond, ein Gast zahlt zehntausend Dollar für dich, wenn du nach hinten gehst. Ich mach halbe-halbe mit dir.« Marco zieht mich an die Theke.

»Ich mach das nicht«, entgegne ich und rechne aus, wie viele Paar Schuhe ich Betty für fünftausend Dollar kaufen könnte.

»Du musst ihn nicht ficken. Tanz auf seinem Schoß, reib dich an seinem Schwanz. Was du hier draußen auch machst.«

»Er will zehntausend Dollar dafür zahlen, dass ich nichts tue?«

Marco nickt. »Ja.«

»Das ist doch gelogen. Ich geh da rein, er fällt über mich her, und ich bin keine jungfräuliche Nonne mehr.«

»Du bist keine echte Jungfrau.«

»Das ist alles, was du von dem Satz verstanden hast?«

»Hör zu, du wackelst mit deinen Titten in seinem Gesicht rum, und bekommst fünftausend Dollar. Wo ist dein Scheißproblem, Bitch?« Er stößt Qualm aus den Nüstern aus und seine Augen werden feuerrot. Zumindest könnte es so sein.

»Mein Scheißproblem ist, dass du denkst, ich wäre eine Nutte, Bitch!«

»Kannst du dich nicht einmal so verhalten, wie alle anderen dämlichen Stripperinnen?«

»Ich bringe so viel Geld ein, weil die Männer fantasieren, dass ich tatsächlich unberührt bin. Willst du das Image zerstören, dass dir die letzten fünf Jahre jede Menge Schotter eingebracht hat?«

»Dann geh eben durch den Hintereingang in den Raum! Dann sieht dich keiner.«

»Und dann erzählt er seinen Freunden, dass er die Nonne gefickt hat … Klar. Gut durchdacht, Marco.«

»Verfickte Scheiße nochmal, das wird er nicht tun! Ich sag dir eins, Cara, entweder bewegst du jetzt deinen Arsch in Raum vier oder du kannst dir einen neuen Job suchen. Ist das klar?«

Ich kneife die Augen zusammen. »Du würdest mich feuern?«

»Ohne zu zögern. Und dann kannst du sehen, wie du die Kröten für deine Kleine zusammen bekommst.«

»Du widerst mich an.«

»Das ist mir scheißegal, solange du den Kerl zum sabbern bringst!«

Und damit lässt er mich stehen und marschiert wutschnaubend in sein Büro, wo er sich wahrscheinlich eine halbe Flasche Scotch hinter die Binde kippt.

Was mach ich jetzt? Ich bin auf diesen Job angewiesen. Das weiß er auch. Und ich bin gut darin. Das weiß er auch. Also? Ich glaube, mir bleibt da einfach nichts anderes übrig. Missmutig gehe ich in Raum vier und drapiere mich auf der Chaiselongue. Ich hasse es. Wahrscheinlich kommt da jetzt so ein Triebtäter rein, der nur einen hoch bekommt, wenn er der Frau was antut.

Die Klinke wird runter gedrückt. Der Moment der Wahrheit. Bitte sei nicht ekelig. Bitte sei nicht ekelig.

Ein kleiner Mann kommt rein, schütteres Haar, Brille. Hätte schlimmer werden können. Aber auch besser.

»Es ist mir eine Ehre, dich kennenzulernen, Blue Diamond. Du bist die schönste Frau, die ich je gesehen habe.«

Das hört man gern.

»Die Freude ist ganz meinerseits«, schnurre ich. »Setz dich doch zu mir.«

Er setzt sich neben mich. »Danke, dass du gekommen bist.«

»Sehr gerne. Was kann ich für dich tun?«

Er schiebt seine Brille nach oben. »Ich möchte deine Füße küssen.«

Hab ich das richtig gehört? »Du möchtest meine Füße küssen?«

»Ja«, nickt er eifrig, »du hast tolle Füße.«

Ich schaue nach unten. Okay. Wenn er meint. Fußfetischisten sind mir ein Rätsel, aber ich muss ja nicht alles verstehen. Jetzt weiß ich auch, wieso Marco sicher war, dass er keinen Sex will. Wahrscheinlich möchte er, dass ich ihn mit dem Fuß den Schwanz reibe.

»Äh, okay.«

»Kannst du dich hinstellen?«

Ich stehe auf.

»Füße ein Stück weiter auseinander, bitte. Ja, genau so.« Er kniet sich vor mich, umfasst meine Knöchel, streichelt meine Haut.

Wie gut, dass ich nicht kitzelig bin. Als seine Lippen meine Füße berühren, muss ich mich zwingen, ruhig stehen zu bleiben und mich nicht vor Ekel zu schütteln. Jedem das seine, aber es wäre doch wirklich besser, wenn sich zwei Menschen mit dem gleichen Fetisch finden würden, oder?

»Setz dich hin.«

Ich setze mich, und er hebt einen Fuß an, zieht den Schuh aus und lutscht an meinem Zeh. Ich muss wegschauen, sonst kann ich nicht für meine Gesichtszüge garantieren. Es fühlt sich merkwürdig an, einen Mund, eine Zunge und Lippen da zu haben. Also, das ist ganz eindeutig nicht mein Fetisch, das weiß ich.

Er beschäftigt sich gefühlte Stunden mit beiden Füßen, und ich gehe im Kopf die Primzahlen durch. Als ich bei 1033 bin, sieht er auf.

»Würdest du …?« Ich weiß, was kommt.

»Okay.«

Ein Fußjob ist nicht so schlimm wie ein Blowjob, oder?

Er zieht sich einen Hocker ran und platziert meinen Fuß in seiner Schrittgegend. Ich weiß nicht so genau, was ich machen soll, und streichel erst mal ein bisschen auf und ab.

Die Tür wird aufgerissen, und ein Mann stürmt rein.

»Hey, wir sind hier beschäftigt«, sage ich.

Er schaut mich an, bevor sein Blick auf meinen Fuß im Schritt des kleinen Mannes fällt. Er zieht amüsiert die Augenbrauen hoch. »Lasst euch nicht aufhalten.«

»Raus«, sage ich.

»Geht nicht, Baby.«

Ich kneife die Augen zusammen. »Wieso nicht?«

»Dann werde ich umgebracht.«