Das geheime Leben einer modernen Nonne – Teil 5

Entschuldigt, dass es Montag keine Nonne gab, aber ich lag nach den anstrengenden Messetagen mit Grippe flach. Ich hab es nicht mal wirklich geschafft, meinen Koffer aus- und wieder einzupacken, daher habe ich total viel vergessen und hab meiner Freundin als Geschenk schmutzige Wäsche mitgebracht 😉 Alles andere kann man neu kaufen und wer braucht schon ein Nachthemd? 😉 Viel Spaß mit der Nonne!Banner

Ich laufe ihm hinterher. Aufgelöst, panisch.

»Nein, bitte!«, rufe ich, als ich ihn erreiche, versuche ihn davon abzuhalten, ihr was zu tun.

Er beachtet mich nicht, beugt sich über sie, und nimmt sie hoch. »Lass uns gehen.«

Er bettet ihren Kopf an seiner Schulter, hält sie sicher und fest, aber in diesem Moment sehe ich nur, dass ein fremder Mann mein Kind auf dem Arm hat. Und das macht mir Angst.

»Cara, komm!«

Mit Betty auf dem Arm kann ich ihn nicht attackieren. Das hat er sich gut ausgedacht, der Mistkerl. So bleibt mir nichts anderes übrig, als ihm hinterher zu gehen. Er bringt uns zu seinem Auto, lässt mich einsteigen und legt mir meine Tochter in den Arm. Erst als ich sie wieder da spüre, werde ich ruhiger.

Was soll ich tun? Ich kann mich doch hier nicht einfach von diesem Arsch kidnappen lassen!

»Wie heißt du?«, frage ich ihn.

Er schaut in den Rückspiegel, findet meine Augen. »Dave.«

»Und kidnappst du immer Frauen und Kindern?«

Er grinst. »Bei dir mache ich eine Ausnahme, Baby.«

»Hmmh.«

Betty bekommt nichts mit. Sie schläft. Sie ist es immerhin gewöhnt, nachts durch die Gegend getragen zu werden. Und nie war ich dankbarer dafür als zu diesem Zeitpunkt. Sie muss ganz sicher nicht wissen, dass wir bei so einem Irren im Wagen sitzen.

»Woher weißt du, dass ich das Ding habe?« Irgendetwas in mir drängt mich, mit ihm zu sprechen. Warum auch immer. Eigentlich interessiert mich nicht, was er zu sagen hat.

Er zuckt mit den Schultern. »Ich kann den Chip nur da verloren haben. Ich war noch mal in dem Raum, als du ihn gerade verlassen hast, und er war nicht mehr da.«

»Aber woher wusstest du meinen Namen und meine Adresse?«

»Ich hab dich schon ein paar Mal im Dollhouse gesehen. Dein Boss hat dich Cara genannt. Und ich bin dir dann einfach gefolgt.«

»Wieso hast du mich nicht einfach im Club angesprochen?«

»Ich wusste nicht, wie du reagieren würdest.«

»Was meinst du?«

Er schenkt mir ein Lächeln, dass mein Herz unter normalen Umständen zum stoppen bringen würde. »Ich wusste nicht, ob du nicht versuchen würdest, mich umzubringen, weil du sexuell frustriert warst.«

»Das ist ja wohl die Höhe! Du hast mich quasi angesprungen!«

Er lacht leise. »Du hast mitgemacht, Baby. Wieso?«

Ich beiße mir auf die Innenseite der Wange. Ja, wieso? »Weiß ich nicht.«

»Weil du nicht wolltest, dass mir etwas passiert.«

»Nein!«

»Doch, Baby. Genau das war der Grund.«

»Nein, war es nicht.« Doch, war es.

»Dann nenn mir den Grund.«

»Ich wollte nicht von deinem Blut besudelt werden.«

Er grinst und zwinkert mir zu. »Ach so. Na, das erklärt einiges.«

»Und überhaupt, ich bin dir keine Rechenschaft schuldig!«

»Schon okay. Wir beide kennen die Wahrheit.«

Ich schnaube wütend vor mich hin, weil er recht hat und ich hasse, dass er recht hat. Ich kann diesen eingebildeten Kerl kein bisschen leiden.

Er hält vor dem Club und ich bleibe unschlüssig sitzen. Was nun?

»Lass sie hier, geh rein, hol den Chip. Dann fahre ich euch wieder nach Hause.«

»Nein.« Ich schüttel den Kopf.

Er seufzt frustriert. »Ich gebe dir mein Wort, dass ich auf sie aufpasse, und ihr nichts passieren wird.«

»Bitte nicht …«

»Ich brauch den Chip, Baby.«

»Ich …« Ja, was? Was kann ich sagen? Es gibt keine andere Möglichkeit. Nur ich kann reingehen, aber ich kann Betty nicht mit in den Stripclub nehmen. Also, was bleibt sonst? So sehr ich auch darüber nachdenke, es gibt keinen anderen Weg. Aber alles in mir sträubt sich dagegen, meine Tochter bei ihm zu lassen.

In dem Moment öffnet sich die Tür und Alexandra kommt raus. Ich fahre das Fenster runter und rufe nach ihr. Neugierig kommt sie näher.

»Hey, Süße«, sagt sie leise. »Alles okay?«

Ich nicke. »Ja. Das ist … mein Freund Dave.«

Dave lächelt sie an und hebt die Hand zum Gruß.

Sie nickt. »Hey.«

»Könntest du kurz einen Blick auf Betty werfen? Ich hab was vergessen.«

»Klar, kein Problem.« Wenn sie meine Frage merkwürdig findet, dann lässt sie es sich nicht anmerken. Ich steige aus und sie setzt sich zu Betty.

Dave wirft mir einen Blick zu, den ich missverstanden haben muss. Gekränkt. Das kann doch nicht stimmen, oder?

Ich eile in den Club, schlage mich zur Garderobe durch und suche verzweifelt nach meinen Shorts. Als ich sie endlich gefunden habe, durchsuche ich die Taschen, aber er ist nicht da! Wo kann er sein? Ich suche den Boden ab, schaue in jeder Ritze, aber ich finde ihn nicht. Panik steigt in mir auf. Was wird Dave tun, wenn ich ihm den Chip nicht gebe? Bitte nicht.

»Hast du ihn?«, fragt er und kommt rein.

Meine Augen müssen groß wie Untertassen sein, als ich mich zu ihm drehe.

»Wo ist er, Cara?«, fragt er scharf.

»Ich hatte ihn hier in den Shorts!«

»Und jetzt?«

»Weg.«

Er funkelt mich an, bevor er sich ebenfalls auf die Suche macht. Er ist weniger zimperlich als ich und wirft die Dinge einfach durch den Raum.

»Fuck, fuck, fuck!«, brüllt er immer wieder. Wie gut, dass der Club laut ist, und man daher nichts hört.

Er kommt auf mich zu, greift um meine Oberarme. »Bist du dir ganz sicher, dass du ihn hier hattest?«

Ich nicke ängstlich. »Ja.«

»Hast du jemandem von deinem Fund erzählt?«

»Nein, niemandem.«

Er lässt mich los und fährt sich durch die Haar. »Fuck!« Er schaut sich um. »Wer geht hier ein und aus?«

»Die Stripperinnen, Marco und manchmal ist auch Security hier.«

Er tigert auf und ab. »Deine Freundin da draußen. Sie strippt auch. Frag sie.«

»Aber …«

»Frag sie!«

»Okay.«

Ich laufe hinaus und spüre ihn direkt hinter mir, als hätte ich seinen Atem im Nacken. Hab ich wahrscheinlich auch.

Als wir wieder am Auto ankommen, frage ich Alexandra, ob sie jemanden gesehen oder etwas gefunden hat.

»Gefunden?« Sie steigt aus und schaut mich fragend an. »Was denn gefunden?«

Ich zucke mit den Schultern. »Naja, so ein kleines Ding.«

Sie zieht etwas aus ihrer Tasche. »Das hier?«

Ich greife danach, aber noch bevor ich es packen kann, geschieht alles wie in Zeitlupe. Mit quietschenden Reifen kommt ein Wagen angefahren. Ich sehe Alexandras verblüfften Gesichtsausdruck, Daves besorgten, bevor ich zu Boden gehe, einen schweren Körper im Rücken spüre, Hände, die mich runterdrücken. Was ist das? Schüsse? Wirklich?

Und dann höre ich Schritte …