The other view No. 6

Und wir haben noch vier Szenen aus Sicht der Jungs … Hier nun die sechste. Dieses Mal vom Ende des dritten Teils, für das mich wohl alle Leser gehasst haben … Sorry 😉

Bonusszene Nr. 6

Matt beim Essen mit seiner Familie

„Warum haltet ihr zwei Händchen?“ fragt seine Mutter plötzlich. Als wäre er verbrannt worden, lässt er plötzlich Theas Hand los, oder sie seine So ganz klar ist das nicht. Sie sind beide furchtbar erschrocken über die Frage seiner Mutter.

Nora setzt sich wieder auf den Stuhl und schaut ihn unverwandt an. „Matt?“ Sie fragt das in diesem besonderen Tonfall, den nur eine Mutter drauf hat, wenn sie befürchtet, gleich von ihrem Nachwuchs enttäuscht zu werden. Fuck. Wieso jetzt? Thea hat heute schon genug durchgemacht. Er will sie so über alle Maßen beschützen, aber gleichzeitig bildet sich auch so ein Kloß in seinem Hals. Er will seine Mm nicht enttäuschen, wollte er noch nie. Die Idee, dass sie seine Entscheidungen nicht gut finden könnte, ist ein Schock.

„Mom, es gibt da was, was wir die sagen müssen. Thea und ich sind zusammen.“ Er entscheidet sich für den direkten Weg, ohne um den heißen Brei herumzureden. Einen Moment fragt er sich, ob er nicht lieber wieder Theas Hand nehmen soll, ihr zeigen soll, dass er sie nicht alleine lässt, auch dann nicht, wenn der Wind heftig weht.

Einen Moment sieht er, dass sie sich über diese Aussage freut, aber dann verdunkelt sich ihr Gesicht wieder. „Aber ist doch mit Will zusammen.“

Wieder wählt er den direkten Weg. „Ja, das ist sie. Und mit Tom auch.“

Ihr Ausdruck ist ungläubig und merkwürdig verzogen und er weiß, dass ist erst der Anfang.

„Was?“

„Ich liebe Matt, Nora. Wirklich“, sagt Thea plötzlich. Das liebt er an ihr. Sie ist eine Kämpferin, die sich nicht wegduckt, wenn es schwierig wird. Nein, sie packt dne Stier bei den Hörnern.

„Du hast mich nicht mehr anzusprechen!“ faucht seine Mutter sie an.

Er ist geschockt. So hat seine Mutter noch nie gesprochen! Noch nie! Und so darf sie auch nicht mit seiner Thea sprechen! Verdammte Scheiße!

„Mom, komm schon“, sagt er ruhig, versucht, sie zu beruhigen, die Bombe zu entschärfen, bevor sie detoniert.

Aber diese Taktik ist eindeutig die falsche. „Komm schon? Komm schon? Diese, diese… Hure hat dich verdorben. Ich bin fassungslos! Ich hatte sie für nett gehalten, aber dass sie sich gleich mit drei Kerlen vergnügt. Das ist abartig! Krank! Und du, wie kann das für dich okay sein? Wie kannst du mit ihr zusammen sein, wenn es deine besten Freunde auch sind? Du hast ja schon viel gemacht, Matthew Baker, aber das ist der Gipfel!“

Er ist geschockt, sprachlos, festgefroren. So hat seine Mutter noch nie geredet, niemals. Er kann es nicht fassen, weiß gar nicht wie er reagieren soll. Es fühlt sich an, als würde ihm der Boden unter den Füßen wegziehen.

„Nora…“ sagt Peter leise, aber er hat sich noch nie gegen seine Frau durchsetzen können.

„Diese, diese… elende Schlampe hat hier nichts mehr verloren! Ich erwarte von dir, dass du jeglichen Kontakt zu ihr einstellst. Wag es nicht, sie mir nochmal unter die Augen zu bringen. Wag es ja nicht! Du wirst sie nie wieder sehen! Sie ist widerwärtig und ekelig!“ wütet sie weiter.

Er schaut Linda und Michael an, die beide absolut versteinert sind. Er wagt es nicht, Thea anzuschauen. Er weiß, er sollte sie verteidigen, sollte seiner Mutter den Kopf abreißen, aber er kann einfach nicht. Er ist entsetzt, weiß nicht, was er tun oder sagen soll.

Er sieht Bewegung aus den Augenwinkeln. „Komm, Süße, du hast es nicht nötig, dir so was anzuhören.“ Josh reicht ihr die Hand und zieht sie hoch. Er ist ihm unglaublich dankbar, dass er sie aus der Gefahrenzone holen will. Und trotzdem… trotzdem kann er sich nicht bewegen. Kein bisschen. Er will sie beschützen, aber nichts in ihm funktioniert.

„Ich hatte so große Hoffnungen in dich gesetzt, Matt! Warum ich? Warum ich? Warum kann ich nicht ein normales Kind haben?“ sagt sie plötzlich und wenn er gerade gedacht hat, dass er nichts tun kann, merkt er erst jetzt, wie es wirklich ist, wenn man erstarrt ist. Wie kann sie so etwas sagen, fragt er sich. Das ist doch abgefuckt.

„Du hast drei tolle Kinder, Nora. Sie sind ganz wunderbare Menschen. Du solltest stolz auf sie sein! Es ist erbärmlich zu sehen, dass du sie für unnormal hältst. Ich hoffe, dass du sie heute nicht verloren hast“, wirft ihr Thea an den Kopf. Sein erstarrter Körper beginnt aufzutauen. Seine Thea setzt sich für ihn und seine Geschwister ein und er hat sie schändlich behandelt, indem er sie nicht verteidigt hat. Wie konnte er das nur tun?

Jetzt kennt seine Mutter kein Halten mehr und kreischt: „Halt du dich daraus, du Schlampe! Sag mir nicht, wie ich mit meinen Kindern umzugehen habe! Du bist abartig und widerlich!“

Josh zieht sie aus dem Restaurant und Matt ist erleichtert, dass sie sich dem nicht mehr aussetzen muss. Gleichzeitig wächst die Wut in seinem Bauch. Niemand, nicht einmal seine Mutter hat das Recht, mit seiner Freundin so zu sprechen!

„Halt den Mund, Mutter“, knurrt er. „Wag es ja nicht, so über Thea zu sprechen. Sie ist die Liebe meines Lebens.“

Sie will was einwerfen, aber er hebt seine Hand: „Ich will von dir nichts mehr hören! Du hast schon mehr als genug gesagt. Ich denke ich spreche auch für Linda und Michael, aber zum ersten Mal in meinem Leben schäme ich mich, dich zur Mutter zu haben! Thea ist eine wunderbare Frau, Linda ist eine wunderbare Frau und Michael ein toller Typ und du hast es einfach nicht verdient, einen von ihnen in deinem Leben zu haben, weil du eine bornierte und blasierte Frau bist.“

Sie schaut ihn sprachlos an, so hat er noch nie mit ihr gesprochen. „Matty…“

„Wag es nicht… Mich gibt es nur noch im Doppelpack. Wenn du meine Frau ablehnst, lehnst du mich ab. Und dann will ich nichts mehr mit dir zu tun haben. Ich bin unglaublich sprachlos.“

Er funkelt sie wütend an. Er hört Lindas leises Schluchzen. Er geht zu ihr, legt ihr die Hand auf die Schulter. „Komm, Süße, wir gehen.“

Sie steht auf und er schlingt seinen Arm um sie. „Michael, komm.“ Auch sein Bruder steht auf.

„Matty, bitte…“, flüstert seine Mutter erstickt, realisiert offenbar gerade, was sie da eigentlich gesagt hat.

„Vergiss es. Das ging eindeutig zu weit! Du hast nicht nur deine eigenen Kinder beleidigt, sondern auch die Frau, die ich liebe, die alle deine drei Kinder liebt und sie vor dir verteidigt hat. So eine tolle Frau ist das nämlich. Stellt sich in die Schusslinie, um andere aus ihr rauszuhalten. Du magst sie ekelig finden, aber ich finde nur eine einzige Person hier abartig.“ Matt legt Michael den Arm um die Schulter und gemeinsam gehen die drei Geschwister aus dem Restaurant.

Er bringt sie zu seinem Auto und nimmt sie mit zu sich. Auf dem Weg versucht er Thea zu erreichen, die nicht an ihr Handy geht. Dann ruft er Will an.

„Ja?“ meldet er sich.

„Fuck, Will, das ist hier alles aus dem Ruder gelaufen. Hat Thea sich schon gemeldet?“

„Ist sie nicht bei dir?“ fragt Will sofort alarmiert.

„Nein“, knurrt Matt. „Sie hat sich also nicht gemeldet?“

Will flucht leise. „Nein, hat sie nicht. Fuck, Matt! Als hätte sie heute nicht schon genug durchgemacht! Was ist passiert?“

„Meine Scheißmutter hat herausgefunden, dass sie mit uns allen zusammen ist, und den Aufstand geprobt. Sie hat sie übel beschimpft.“

„Wie bitte?“ fragt Will fassungslos.

Matt rauft sich die Haare. „Ich weiß, Mann, üble Scheiße! Ruf an, wenn sie sich meldet, ja? Ich bin auf dem Weg nach Hause.“

„Klar, Mann. Ich track mal ihr Handy.“

„Danke.“

Gefrustet kommt er mit seinen Geschwistern nach Hause. Linda weint immer noch.

„Thea hat sich gerade gemeldet“, teilt Will mit, als sie durch die Tür kommen.

Matt muss sich am Türrahmen festhalten, so erleichtert ist er. „Wo ist sie?“

„Bei Josh. Ich hab ihr gesagt, sie soll ihren Arsch hierher bewegen.“

„Okay.“

Matt führt Linda zur Couch und setzt sich neben sie, schlingt den Arm um sie.

„Wie konnte sie das sagen?“ weint sie leise. „Sie schämt sich für mich. Für uns.“

Matt streichelt sanft ihre Haare. „Süße, nicht weinen. Du bist ein toller Mensch. Ich hab dich so lieb.“

„Und was sie über Thea gesagt hat…“

Matt schließt gequält die Augen. „Ja.“

„Es tut mir so leid“, flüstert sie.

Er schaut sie überrascht an. „Was tut dir leid?“

„Wenn ich nicht so ein Versager wär…“

Er unterbricht sie rigoros: „Du bist keine Versagerin. Du bist scheißweit davon entfernt. Du bist eine tolle Frau.“

„Aber sie hat sie nur meinetwegen…“

„Hat sie nicht, Süße! Das hatte gar nichts mit dir zu tun.“

„Es tut mir so leid“, sagt sie wieder.

Matt umfasst ihr Gesicht. „Süße, liebe Linda, Thea ist ein großes Mädchen und kann ganz offensichtlich auf sich selber aufpassen. Es ist absolute Scheiße, was Mom da abgelassen hat, aber das geht einzig und allein auf ihr Konto. Du hast damit nichts zu tun! Hast du das verstanden? Es ist nicht deine Schuld.“

Sie nickt zögerlich, nickt aber.

„Josh hat mir eine Nachricht geschickt. Ich fahr zu ihm“, meint Michael und Matt nickt.

„Wenn Thea noch da ist, schick sie nach Hause.“

Er zieht seine Schwester eng an sich. Fuck, hoffentlich ist Thea nicht böse auf ihn, weil er sie nicht verteidigt hat, denkt er. Gerade er, der doch sonst immer so überbeschützend ist, hat sie sträflich im Stich gelassen. Scheiße, ob sie das wieder kitten können? Er kann sie nicht verlieren.

Er hat Angst, dass dies ihr Ende sein könnte, und gleichzeitig ist er auch so stolz auf sie, so verdammt stolz, dass sie eine solch unglaubliche Frau ist. Eine echte Löwin, die diejenigen, die sie liebt, verteidigt. Und er schämt sich. Dass sie ihn verteidigt hat und er sie ungeschützt gelassen hat. Fuck, er fährt sich durch die Haare.

Nach einer halben Ewigkeit wird die Tür aufgeschlossen und er hört ihre Stimme: „Matt?“

Sie würde nicht nach ihm rufen, wenn sie ihn hassen würde, oder? Sie liebt ihn noch, will ihn noch, oder?