The other view No. 8

Ich schreibe fleissig, fleissig am Cowboy 2. Für euch zur Überbrückung, hier die vorletzte Szene aus Sicht der Jungs.

Bonusszene Nr. 8

Will nach dem Fremdgehen von Tom

Will fährt vollkommen übermüdet über die Golden Gate-Bridge. Seine Finger klopfen nervös auf das Lenkrad. Diese blöde Kuh hat sich den ganzen Sonntag nicht gemeldet. Wenn er sie in die Finger bekommt, wird er ihr den hübschen Hals umdrehen. Er hofft, dass sie zur Arbeit kommen wird. Einen Moment zuckt er zusammen. Wieso hat er da nicht dran gedacht? Fuck, sie war doch bestimmt gestern auch den beschissenen ganzen Tag in ihrem Büro!

Er gibt Gas, scheißegal, ob er geblitzt wird. Er muss sehen, ob sie da ist! Er kann nicht anders. Dass er nicht mit quietschenden Bremsen vor BioKing zum Stehen kommt, ist auch alles. Er rennt zum Aufzug, drückt mehrfach auf den Knopf, flucht, als der Aufzug nicht sofort erscheint. Nervös fährt er nach oben. Er läuft sofort zu ihrem Büro und reißt die Tür auf. Und da sitzt sie.

Sein Herz klopft bis zum Hals. In diesem Augenblick stürmen alle möglichen Gefühle auf ihn ein. Erleichterung und Sorge, Liebe und Wut, Verzweiflung und Glück.

„Thea“, sagt er heiser, schließt die Tür und geht auf sie zu. Als er vor ihr steht und sie mit ihren großen braunen Augen zu ihm aufschaut, kann ihn nichts mehr halten. Er reißt sie in seine Arme, presst sie gegen sich, küsst jeden Zentimeter Haut, hält sie fest, will sie nie wieder loslassen.

„Ich hab mir solche Sorgen gemacht! Mach das nie wieder. Ich kann das nicht ertragen!“

Sie sinken gemeinsam zu Boden und er sieht ihre Tränen. Sie fließen ihre Wangen runter. Er schlingt seine Arme um sein Mädchen, wiegt sie sanft hin und her, streichelt sie und küsst sie immer und immer wieder. Er sagt kein Wort, spürt, dass sie alles rauslassen muss. Fuck, wer weiß, was sie die letzten Stunden alles getan hat.

Irgendwann ist sie fertig, es kommen keine Tränen mehr. Sie sucht in ihrer Schublade nach Taschentüchern und schnäuzt sich.

„Tut mir leid wegen deinem Hemd“, murmelt sie.

„Ich hab noch ein anderes im Büro. Keine Sorge, Baby.“ Er grinst in sich hinein, weil sie an so einen Unsinn denkt in einem solchem Moment.

Aber so glücklich er auch ist, dass es ihr gut geht, dass er sie wieder hat, er muss ein ernstes Wort mit ihr sprechen. „Versprich mir eins, Thea. Was immer auch passiert, melde dich. Du kannst nicht einfach 36 Stunden ohne Nachricht verschwinden. Du bist sauer auf Tom und hast auch jedes Recht dazu, aber Matt und mich gibt es auch noch. Und übrigens auch Sam und Josh und Julia und Linda und unsere Familien, die sich alle Sorgen um dich machen. Du bist nicht mehr alleine auf der Welt. Du bist jetzt Teil einer Familie.“ Sie nickt. „Ich bin echt sauer, Thea. Froh, dass dir nichts passiert ist, aber scheißsauer, weil du mich und Matt Scheiße behandelt hast. Wir haben nichts falsch gemacht. Wenn du nicht mit Tom reden willst, ist das eine Sache, aber du kannst dann nicht nach dem Motto ‚ich scher mal alle über einen Kamm’ beschließen, dass du auch Matt und mich ausschließt. Wir haben ein Recht darauf zu wissen, wo du bist, wo sich unsere Freundin aufhält, damit wir uns keine Sorgen machen müssen.“

Es fällt ihm schwer, ihr solch harte Worte zu sagen. Er sieht in ihrem Gesicht, dass sie sie treffen, dass sie Schuld empfindet, sich schlecht fühlt. Alles, was er will, ist sie wieder in die Arme zu nehmen, sie nie wieder loslassen, aber er muss ihr das sagen. Matt wird es ihr nicht sagen, wird viel zu glücklich sein, dass sie wieder da ist. Das muss er tun. Sie muss verstehen, dass sie auch drei Einzelpersonen sind, nicht nur eine Einheit, sondern auch einzelne Personen, die einzeln Fehler machen. Natürlich ist es Scheiße, was Tom gemacht hat, aber sie kann dann nicht Matt und ihn bestrafen.

Das muss sie begreifen. „Thea, verstehst du? Wir sind fast ausgerastet vor Sorge! Wo warst du?“

„Ich war gestern den ganzen Tag hier.“

Mit dieser Antwort hat er gerechnet und könnte sich den Arm abhacken, weil er gestern nicht daran gedacht hat.

Und doch trifft es ihn wie ein Schlag. Er ist fassungslos. „Was? Hier? Der einzige beschissene Ort, an dem wir nicht geschaut haben! Fuck, ich hätte wissen müssen, dass du Workaholic dich bei Stress in die Arbeit stürzt. So bin ich schließlich auch.“ Er legt eine Hand an ihr Gesicht. „Thea, versprich, dass du das nicht wieder tust. Ich hab mir noch nie so viele Sorgen gemacht, nicht mal, als du im Krankenhaus warst. Da wusste ich wenigstens, wo du warst. Und wenn du nicht reden willst, dann schick eine Nachricht oder lass zumindest dein scheißverficktes Handy an, damit wir dich finden können! Versprich es!“ Sein Blick bohrt sich in ihren.

Er sieht, dass sie von Schuldgefühlen geplagt wird. Sie leckt sich die Lippen. „Ich verspreche es.“

Seine Lippen krachen auf ihre und küssen sie beinahe grob. Er löst sich. „Gut.“

Na, hoffentlich versteht sie es wirklich, denkt er. Intelligenz ist ja nicht immer ihres. Er lacht in sich hinein.

„Will?“

„Ja?“

„Es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht.“

Will nickt. Das weiß er. „Dir war aber schon klar, dass wir uns in dem Moment Sorgen machen würden, an dem wir gemerkt haben, dass du nicht mehr da warst?“ fragt er.

Sie nickt. „Ja, aber ich konnte nicht… Manchmal kann ich nicht aus meiner Haut, Will. Ich bin dann so verstrickt in meinen Problemen, dass ich nicht mehr vor und nicht mehr zurück kann. Es tut mir leid. Wirklich. Verzeih mir bitte.“

Er seufzt. Er weiß, dass es ihr leidtut. Sehr leid. Es ist über ihr ganzes Gesicht geschrieben. Sie macht sich Vorwürfe und er hat sie mit seiner Ansprache noch befeuert, absichtlich. Aber jetzt muss auch gut sein. Sie kann sich nicht selbst bestrafen, muss sich selbst verzeihen. Fehler wurden gemacht und nun müssen sie wieder nach vorne schauen. „Natürlich verzeihe ich dir. Aber tu das ja nie wieder!“

Er blickt sie streng an und zieht sie dann an sich. Er greift in seine Jackentasche und holt sein Handy raus. Er tippt irgendwas und hält dann das Handy an sein Ohr.

„Hey, Matt. Sie ist hier.“

„Fuck! Gott sei Dank, Mann! Danke, dass du mich anrufst. Ich hab mir Scheißsorgen gemacht Wie geht es ihr?“

Er sieht sie an, schaut in ihre traurigen Augen, sieht die Tränenspuren auf ihrem Gesicht. „Es geht ihr den Umständen entsprechend, würde ich sagen.“

„Wo war sie denn? Hast du sie gefragt?“ Matt klingt angespannt und gleichzeitig so erleichtert.

„Sie war gestern den ganzen Tag hier im Büro.“ Matt flucht. „Kannst du Josh und Sam und alle informieren?“

„Klar, mach ich. Will, halt sie fest und lass sie nicht wieder entwischen. Hast du verstanden?“

„Ja, bis später.“ Er legt auf.

„Wollte er nicht mit mir sprechen?“ fragt sie unsicher.

„Wahrscheinlich wollte er dir nicht den Kopf abbeißen“, grinst Will.

„Hmmh, war er sehr sauer?“

„Erleichtert. Was denkst du denn? Natürlich ist er sauer, ebenso wie ich, aber erst mal ist er erleichtert, dass dir nichts passiert ist.“ Er schlingt seinen Arm wieder um sie, zieht sie dicht an sich, als befürchte er, dass sie jemand klauen will.

Er weiß nicht recht, wie er die nächste Frage stellen soll. Er muss sie stellen, aber er will sie auch nicht verschrecken. Fuck! Das ist doch nicht er. Er fragt einfach ohne sich Gedanken zu machen. Er kann nicht auf Samtpfoten um sie streichen. Wenn sie eine Chance haben wollen, darf er keine Angst haben, mit ihr zu sprechen, ihr auch schwierige Themen zuzumuten. Also fragt er einfach: „Willst du über Tom reden?“

Sie schüttelt den Kopf. „Nein.“

„Hast du keine Fragen?“

„Tausende.“

„Vielleicht kann ich dir ein paar beantworten“, schlägt er vor.

„Bestimmt, aber das muss Tom irgendwann tun.“

„Du wirst ihn also irgendwann wieder sehen?“ fragt er vorsichtig. Er kann verstehen, dass sie sauer ist und verletzt, dass sie Tom am Liebsten den Schwanz abschneiden will. Aber er liebt ihre Beziehung. Er liebt, dass sie mit ihnen allen zusammen ist. Er will das nicht verlieren und hofft, dass sie Tom verzeihen kann.

Sie nickt. „Natürlich. Wenn ich meine Sachen aus der Wohnung hole.“

Er versteift sich. Hat er richtig gehört? Das kann sie doch nicht ernst meinen! Fuck! Hat sie voll den Schaden? „Was soll das heißen?“

„Ich ziehe aus.“

„Nein, tust du nicht.“

„Doch.“

„Vergiss es, Thea! Du ziehst auf keinen Fall aus! Was wir haben, ist wunderschön. Mach das nicht kaputt“, fleht er. Ja, er fleht. Weil er sie will, weil er ihre unkonventionelle Beziehung will. Und sie kann das doch nicht einfach wegschmeißen! Dieses sture Miststück!

„Zum einen mache ich es nicht kaputt, sondern Tom hat es zerstört. Zum anderen will ich dich und Matt nicht aufgeben, aber ich kann nicht mehr mit Tom zusammen wohnen.“

„Überstürz nichts, Baby. Bitte. Ich weiß, du bist verletzt, aber überstürz jetzt nichts. Tu keine Dinge in dieser Phase, die du nachher bereust und nicht mehr kitten kannst“, bittet er.

Scheinbar dringt er durch ihren Dickschädel. „Okay, ich bleib erst mal im Hotel.“

Er ist erleichtert als er diese Worte hört. Fuck! Einen Moment hat sie ihn total erschreckt, aber sie ist ja doch zu Vernunft fähig. „Danke, Baby. In welchem Hotel schläfst du?“

„Keine Ahnung, wie es heißt. Ich hab mich einfach von dem Taxifahrer da hinbringen lassen. Ist im Mission District.“

„Okay, wenn du heute dahin fährst, schick mir bitte die genaue Adresse. Brauchst du Anziehsachen?“

„Kann ich in Jeans und Pulli zur Arbeit kommen?“ fragt sie.

Er zuckt mit den Achseln. Er gibt einen Scheiß, was sie anhat solange sie jeden beschissenen Tag auf der Matte steht und er sich keine Sorgen machen muss. Dieses kleine Miststück! Echt. Er wusste ja schon die ganze Zeit, wie sehr er sie liebt, aber so richtig klar, wird es ihm erst jetzt. Er hat 36 Stunden gedacht, dass er sie verloren hat. Aber Gott sei Dank stimmt das nicht. Seine kleine Mistbiene ist wieder bei ihm. „Klar, wenn du willst.“

„Dann brauche ich nichts. Ich hab heute Morgen eingekauft.“

„Sexy Unterwäsche?“ scherzt er, versucht ein bisschen Leichtigkeit wieder in ihr Gespräch zu bringen, hofft, dass er sie zum Lächeln bringen kann.

Sie schüttelt den Kopf und ein kleines Lächeln stiehlt sich tatsächlich auf ihr Gesicht. „Eher das Gegenteil.“

Er fühlt unter dem Pulli nach. „Feinripp?“ lacht er. Scheiße, nur sein Mädchen würde sich solch einen Unsinn einfallen lassen. Feinripp-Unterwäsche, was ein Blödsinn.

Sie nickt ein bisschen verlegen. Er grinst und zieht sie in die Arme. „Gott, bist du süß.“