The other view No. 9

Und jetzt heißt es ein letztes Mal Vorhang auf für die Sicht der Jungs … Schon ein bisschen traurig. Nicht? Aber dafür länger als die anderen Szenen.

Bonusszene Nr. 9

Will bei der Hochzeit

Sie stehen schon seit einer halben Ewigkeit am Strand. Um sie herum all die Menschen, die sie lieben, abgöttisch lieben. Er schaut in lächelnde Gesichter und ist einen Moment geplättet von der Liebe dieser unglaublich verrückten Familie, die seine ist.

Will schaut nach oben und stupst Tom und Matt an. Da steht sie. Seine Thea. Sie läuft langsam auf die Treppe zu. Sie trägt ein weißes Kleid, das ein bisschen Hippie ist und ein bisschen chic. Er weiß, dass es aus den Kleidern ihrer drei Mütter gefertigt ist, und ihm treten Tränen in die Augen, weil die drei Thea und auch ihnen zeigen, wie sehr sie hinter dieser Entscheidung stehen. Eine Welle der Dankbarkeit erfasst ihn. Gerade ihn, der doch sonst immer das arrogante Arschloch ist, das sich mit ihr fetzt und sie provoziert und antreibt.

Und jetzt steht sie da in diesem wunderschönen Kleid, das eine solche Bedeutung hat, hat die Haare schön frisiert, und einen wilden Strauß in der Hand. Er hört die „ahs“ und „ohs“ und kann seinen Blick nicht von dieser Erscheinung wenden.

Er denkt an die letzten Wochen, denkt daran, dass sie noch nicht lange zusammen sind, wie weit sie gekommen sind. Eigentlich müsste er Angst bekommen, weil dies eine solche Verantwortung ist, weil er einer Frau eine Beziehung bis zu ihrem Tod verspricht, aber er ist ruhig und glücklich. Er liebt dieses verrückte Weib über alles, will sie in seinem Leben. Ach was, sie ist sein verdammtes Scheißleben!

Sie rafft ihren Rock und kommt langsam die Treppe runter. Er sieht, dass sie ein bisschen unsicher ist. Keine Ahnung, was sie da immer reitet. Er grinst leicht und denkt daran, wie er sie reitet, oder sie ihn. Hmmh, tolle Erinnerungen. Aber echt, sie kennen ihren Körper besser als sie selbst, sie besitzen den Zugang zu ihrem Herzen und zu ihrer Seele, und trotzdem ist sie manchmal immer noch ein bisschen unsicher. Verrücktes Mädel.

Sie läuft nun direkt auf ihn zu. Will schaut zu ihr, sucht ihren Blick, kann es nicht fassen, dass diese unglaublich schöne Frau zu ihm ja sagen will. Er grinst sie an, genießt es, dass sie zu ihm läuft. Zu ihm kommt. Zu ihm. Sein Mädchen gehört gleich ganz und gar ihm.

Er beugt sich leicht zu Matt und sagt: „Fuck, wie gut, dass sie so dicke Titten hat. Die sehen scheißegeil in dem Kleid aus.“

Matt lacht leise und hält ihm die Faust hin. Will zögert keine Sekunde und lässt seine grinsend dagegen schlagen. Er wird noch so ein verschissenes Weichei werden, wenn er nicht aufpasst. Und dann kommt sie näher und näher. Er sieht die Freudentränen auf ihrem Gesicht, sieht ihr glückliches Lächeln. Und … er spürt Tränen in seinen Augen. Fuck! Pussy. Aber er ist so glücklich. So scheißeglücklich, dass diese großartige Frau seine ist.

Er denkt an den Tag zurück, an dem sie in ihr Leben getreten ist. Unten vor der Haustür hat sie einen kleinen Siegestanz aufgeführt, weil Tom ihr das Zimmer angeboten hat. Ihre Titten haben so geil gewackelt, ihr Arsch gebebt. Und sie hat pure Lebensfreude ausgestrahlt. Er war sofort hart. Wäre sie nicht verschämt abgehauen, hätte er sie sofort angemacht und dafür gesorgt, dass sie in seinem Bett landet. Und verdammt noch mal da bleibt!

Scheiße noch mal ist ja alles gut gegangen. Sie ist in sein Bett gestiegen und in Matts und in Toms. Und sie bleibt da für alle Ewigkeit. Macht es ihn zu einem echten Warmduscher, dass er sich nichts Besseres vorstellen kann, als irgendwann mit ihr auf der Veranda zu sitzen, sie beide in Schaukelstühlen, Hand in Hand, und den Sonnenuntergang zu genießen?

Dieses Ding, das sie Liebe nennen, macht einen weich in der Birne, ganz klar. Kann gar nicht anders sein. Aber wenn er in ihre strahlenden Augen sieht, ihre lächelnden Kusslippen, dann weiß er, das ist es wert. Diese verrückte Mistbiene ist all den Scheiß wert.

Er umarmt sie und küsst sie. Er wischt ihr die Tränen von dem hübschen Gesicht, flüstert ihr ins Ohr, dass sie die Allerschönste ist und dass er sie über alles liebt.

Wenn das so weiter geht, wird er den heutigen Tag nicht mit Eiern überleben, überlegt er. Bei zu vielen Emotionen werden sie einem doch aberkannt, oder?

Sie drehen sich alle vier zum Wasser, sehen Julia, Michael, Stuart und Sam dort stehen. Einen Moment fragt er sich, was diese verrückte Familie ausgeheckt hat, da fängt Julia an: „Wir sind heute hier zusammengekommen…“ Und sie alle fangen an zu lachen. Irgendwie passen diese formalen Worte so gar nicht zu ihrer Hochzeit. Er grinst und schaut zu seiner Thea, die neben ihm steht und seine Hand hält.

„Diese Zeremonie ist besonders, daher verdient sie auch besondere Worte. Es ist nicht nur die Verbindung von vier Menschen, sondern auch von Familien. Wir stehen hier als Repräsentanten von vier Familien, die heute zu einer werden“, sagt Julia und er kann ihr nur zustimmen.

Viele Worte hört er nur so halb mit, weil er damit beschäftigt ist, die unglaubliche Frau an seiner Seite zu betrachten, die eine Vielzahl an Emotionen zeigt. Lachen und Weinen, Freude und Rührung. Er kann es noch gar nicht fassen, dass sie dies wirklich machen.

Jetzt redet Michael, aber er hört erst zu, als sein Name fällt. „…und dann auch noch dem großen William King Paroli bot, wird für immer in die Geschichtsbücher eingehen. In diesem Augenblick waren wir alle bezaubert und unsere Zuneigung ist nur gewachsen.“

Er lacht leise als er sich an das Dinner erinnert und wie sie ihm vor all den Menschen, die sie nicht kannte, widersprochen hat. Und auch noch gewonnen hat! Fuck, war er da hart. Wenn er nur an seine kleine Amazone denkt, dann ist er schon wieder bereit, sie zu vögeln.

Nachdem sie alle ein paar Worte gesagt haben, grinst Stuart plötzlich. Das heißt nichts Gutes, wird Will sofort klar. „Mein Bruder war die Pest! Schon immer eine Nervensäge hat er sich ständig an Simon und mich gehängt und wollte Zeit mit uns verbringen, aber wir hatten wirklich keinen Bock auf dieses Baby. Und es gab keinen Satz, den wir mehr gehasst haben als ‚nehmt Will mit’. Was haben wir nicht alles angestellt, um ihn loszuwerden, aber nichts hat funktioniert. Weil er fokussiert ist, weil er stur ist, weil er Himmel und Hölle in Bewegung setzt für die Dinge, die er will. Diese Entschlossenheit hat uns irgendwann imponiert und Schritt nach Schritt hat er sich unseren Respekt und unsere Anerkennung erkämpft. Und es dauerte nicht lange, bis wir plötzlich mit ihm rumhängen wollten. Was durchaus auch damit zu tun haben könnte, dass unser kleiner Bruder uns über den Kopf gewachsen ist.“

„Ja, und dann habt ihr euch nicht mehr getraut, mich wegzuschubsen“, grinst Will und streichelt gleichzeitig über Theas Finger.

„Hör sich einer das Küken an“, spottet Stuart. „Was meinst du, Simon, braucht er mal wieder eine Abreibung?“ Simon und Stuart bewegen sich schon auf ihn zu, Will wirft Thea einen amüsierten Blick zu.

„Halt!“ ruft da Thea. „Ich brauche ihn heute noch funktionsfähig.“ Grölendes Lachen brandet auf. Will muss sich zusammen reißen, um nicht ebenfalls laut los zu prusten. Echt, sein Mädchen hat eine Macke. „Nein, so meinte ich das nicht…“

Will grinst Thea frech an und küsst sie auf die Lippen. „Danke für deine Hilfe, Baby.“ Sie lacht auch. Und sie hat ja auch recht. Sie braucht ihn noch funktionstüchtig, weil er sie die ganze Nacht nehmen wird. Er wird hart als er sich vorstellt, was er alles mit ihr anstellen wird. Was sie alles mit ihr anstellen werden. Er grinst leicht. Oh ja. Diese Nacht wird sie nie vergessen.

Nachdem sie Matt und Tom angetraut wurde, kommt er endlich dran. Fuck, dass Matt sie mit Spock reingelegt hat. Dieser Mistkerl! Betrügt beim Pokern und bei Stein, Papier, Schere. So ein Sack.

Will tritt zu Thea nach vorne. Stuart sagt: „Eigentlich ziehen sich Gegensätze ja an, aber minus mal minus ergibt auch plus.“ Er reicht ihnen kleine Magnete, die sich anziehen. Und die anderen schenken ihnen jede Menge durchdachte Kleinigkeiten von Dingen, die passen, weil sie gegensätzlich sind oder weil sie gleich sind. Minze und Erdbeeren, Herzdame und Herzkönig als Spielkarten, Feuer und Wasser, repräsentiert durch eine Streichholzschachtel und eine kleine Flasche Wasser, Sandkörner, Puzzleteile.

Dann spricht Michael: „Willst du, Thea, dein Leben mit Will verbringen, mit ihm streiten, ihn an den Rand des Wahnsinns treiben, ihn bei allen Entscheidungen unterstützen, seine Träume mit ihm realisieren, ihn aus seinem Elfenbeinturm holen, ihn zu Großem anstacheln und ihn für immer und ewig lieben?“ Will schluckt hart. O Gott! Was, wenn sie nein sagt?

Ohne Zögern sagt sie: „Ja.“ Scheiße, ist er erleichtert. Sie hat ja gesagt. Sie greift nach seiner Hand, steckt ihm seinen Ring an und küsst ihn schnell auf die Lippen, wie sie es bei Matt und Tom auch schon gemacht hat.

„Willst du, Will, dein Leben mit Thea verbringen, sie fördern und fordern, ihren Ehrgeiz entfachen, ihr helfen, ihre Träume zu verwirklichen, sie bedingungslos unterstützen, sie vor Gefahren beschützen, für sie stark sein, wenn sie es nicht kann, sie für dich stark sein lassen und sie für immer und ewig lieben?“

„Fuck, ja.“ Will strahlt über das ganze Gesicht, als er diese Worte sagen darf. Sie grinst ihn an, kein bisschen sauer über seine Wortwahl, nein, natürlich nicht. Sie ist schließlich sein Mädchen und ist seine große Klappe eindeutig gewöhnt.

„Dann dürft ihr euch jetzt küssen“, lacht Michael.

Das lässt sich Will nicht zweimal sagen. Er grinst, als er sie in die Arme zieht, hochhebt und ausführlich küsst. Sie schmilzt in seinen Armen wie eh und je. Er kann nur hoffen, dass seine Küsse immer diesen Effekt auf sein Mädchen haben werden. Fuck, wie er diese kleine Mistbiene liebt.