Em Evol

Anfang des Jahres musste ich eine Szene für den LLC Katalog schreiben. Dabei sind mir viele, viele Ideen in den Kopf gekommen, unter anderem eine, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Ich hab den Anfang geschrieben, aber dann war klar, dass es eine eigene Geschichte werden musste. Es konnte nicht in ein paar Worten abgehandelt werden. In den letzten Wochen ist die Idee größer und größer geworden, und ich habe sie auch bereits vor einem Monat in der Engelspost vorgestellt (wer noch kein Engel ist, hier bewerben).

Da diese Geschichte etwas gaaaaaanz anderes ist, als ich jemals zuvor geschrieben habe, habe ich in meiner Gruppe gefragt, ob auch historische Liebesromane gelesen werden. Und damit meine ich nicht Mittelalter oder 18. Jahrhundert auf einem englischen Landsitz, sondern 1940er bis 1960er Jahre. Zu meiner großen Enttäuschung hat dir Mehrheit gesagt, dass sie nur moderne Geschichten lesen.

Aber da muss ich halt durch, nicht wahr? Statt die Geschichte zu verwerfen, nistete sie sich immer mehr und mehr ein. Und ich werde sie trotzdem schreiben. Dann liest sie eben nur meine Mutter.

In der letzten Engelspost habe ich dann erklärt, um was es eigentlich ging … Und plötzlich fanden viele die Idee toll. Ich will nämlich Rosalinds Geschichte schreiben. Wer Rosalind noch nicht kennt, sie ist die Oma in der She flies-Reihe. Ja, ja, ich weiß, ihr wollt das Buch nun lieber heute als morgen haben, aber soweit ist es noch nicht. Noch lange nicht.

Ein Wort der Warnung ist auch angebracht: Das Buch spielt nicht nur in der Vergangenheit, somit spielt niemand aus der She flies-Reihe außer Rosalind mit. Außerdem hat es auch gar nichts mit einem Porno zu tun. Wer also Thea und die Jungs liebt, weil es da rund geht, wird an diesem Buch nicht viel Freude haben. Wer She flies nicht mochte, weil es zu rund geht, der wird aber vielleicht diese Geschichte mögen.

Okay, seid ihr noch hier oder habt ihr schon aufgehört zu lesen, weil ich mal wieder schwafele?

Hier ist das Cover für euch:

EBook_Cover_EmEvol

Die liebe Viola von Truelove Coverdesign hat es noch verschönert. Ich liebe es!!!

Falls ihr euch wundert, was der Titel bedeutet, das wird nicht verraten, aber vielleicht habt ihr es ja auch schon selbst herausgefunden 🙂

Und hier noch das erste Kapitel:

1933 war kein gutes Jahr, um geboren zu werden, aber das habe ich erst später herausgefunden. Obwohl mein Onkel Todd das wohl anders sehen würde. In dem Jahr wurde die Prohibition beendet und der Alkoholiker konnte sein Gesöff wieder im Geschäft kaufen, statt selber Moonshine zu brauen, der ihn blind werden ließ.

Aber sonst hatten wir seit dem Schwarzen Freitag nichts zu lachen. Schon gar nicht in einer Kleinstadt in Indiana, der es schon vorher nicht besonders gut ging. Und jetzt ging es uns einfach nur noch dreckig. Mein Vater hat seinen Job verloren, was ihn ebenso depressiv werden ließ, wie unsere Wirtschaft. Aber er war kein in sich zurückgezogener Depressiver, nein, er war die Art, die dann seine Frau und seine fünf Töchter schlug.

Ich erinnere mich, dass er mich das erste Mal schlug, als ich fünf Jahre alt war. Es war, als würde mein Gesicht explodieren, dabei hat er mich gar nicht richtig getroffen, weil er so betrunken war. Augenblicklich kamen mir die Tränen. Ich spüre heute noch, wie meine Unterlippe zu zittern begann. Mein Daddy hatte mir wehgetan! Ich konnte es einfach nicht fassen. Ich hatte erlebt, dass er meine Mom schlug, auch meine vier älteren Schwestern, aber mich? Doch nicht mich.

Meine Mom verdiente Geld, in dem sie bei fremden Leuten putzte. Pennys nur, aber genug, um dafür zu sorgen, dass niemand von uns verhungerte. Knapp nur, aber immerhin. Sie war den ganzen Tag weg, machte sich krumm, um ihre Familie durchzubringen.

Nachts hörte ich ihre Schreie, wenn Dad sie an ihre ehelichen Pflichten erinnerte. Bis er schließlich beschloss, dass sie zu alt war, und er sich die Nachbarsfrau nahm, die jung war, aber hässliche Zähne hatte.

Ich war die Jüngste, also versuchten alle, mich vor Schaden zu bewahren. Sie würden die Strafen auf sich nehmen, damit mir nichts passierte. Und ich war undankbar. Ich hab das Geschenk nicht zu schätzen gewusst. Hab nicht gesehen, wie viel ich ihnen verdankte.

Und dann kam der Krieg. Europa war so weit weg, Deutschland noch viel mehr. Und ich war sechs. Ich hab nicht einmal verstanden, was Krieg war. Und in einer Familie nur mit Mädchen war das auch kein Thema. Als Amerika 1941 in den Krieg eintrat, haben wir verstanden, dass es ernst war. Pearl Habour hat uns alle erschüttert, aber mit acht war es mir wichtiger, dass ich ab und zu mal ein Bonbon bekam.

So makaber es anmutet, aber Kriegszeiten sind Boomzeiten. Es mussten Panzer gebaut werden, Munition, und in unserem Agrarstaat Indiana musste geerntet werden. Dad fand eine neue Stelle in der Nahrungsmittelindustrie. Und er war glücklich. Oder glücklicher. Zumindest so glücklich, dass die Schläge aufhörten. Meine Mom lachte wieder. Ich war so erschrocken. Nie hatte ich sie lachen gehört. Mein Dad brachte Karamellbonbons mit nach Hause, herzte uns. Es war surreal, obwohl ich das Wort zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte.

Alle meine Schwestern blühten auf, waren fröhlich. Und dann 1942 brachte meine älteste Schwester Maura zum ersten Mal einen Jungen mit nach Hause. Ich war neun Jahre, aber ein Blick und es war um mich geschehen.

Er war sechzehn, groß, nicht nur aus meiner Froschperspektive. Viel größer als alle Jungen, die ich vorher kannte. Beinahe schon ein Mann. Er hatte schwarze Haare, strahlend blaue Augen, ein Lächeln mit Zähnen so weiß, wie ich sie nie gesehen hatte. Er war schlank, aber trotzdem kräftig. Und er hieß William King.

Ich malte mir aus, wie es sein würde, wenn er meine Hand halten würde, statt Mauras. Wenn er mich küssen würde, statt sie. Eines Abends brachte Maura ihn nach draußen. Meine Mom drückte mir ein paar Minuten später den Müllsack in die Hand, und ich ging hinaus. Und da sah ich sie. Er hatte Maura gegen die Holzwand gedrückt, küsste sie leidenschaftlich und hatte ihre Brust in seiner Hand. Ich blieb mit offenem Mund stehen. Und obwohl ich nie im Leben bereit für so etwas gewesen wäre, wünschte ich mir, an ihrer Stelle zu sein.

Leise brachte ich den Müll weg, ging dann in mein Bett, dass ich mit meinen Schwester Molly und Beth teilte, und weinte dicke Tränen, weil William King mir so eben das Herz gebrochen hatte. Ohne es zu wissen. Ohne überhaupt zu wissen, dass es mich gab und mein kleines Herz nur für ihn schlug. Nichts ist so bitter, wie die erste, nicht erwiderte Liebe.

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