Über den Prozess

Unter meinem gestrigen Post wurde die Bitte kommentiert zu erklären, was im Lektorat geschieht. Ich dachte, ich beschreibe mal kurz meinen gesamten Prozess. Wie es andere machen, kann ich leider nicht sagen, aber für mich funktioniert es so.

Meistens beginnt der Entstehungsprozess mit einer Anfangsidee. Wenn sie schon ausgereift ist, schreibe ich den Beginn auf, damit ich ihn nicht vergesse – meist kommen solche Ideen nämlich, wenn man gerade keine Zeit hat, sich damit zu beschäftigen. Wenn ich dann endlich Zeit für diese Geschichte habe, habe ich bisher einfach immer angefangen zu schreiben, aber wie ich in Über das Plotten bereits geschrieben habe, habe ich bei Em Evol gelernt, dass mir eine grobe Struktur hilft.

Dann schreibe ich den ersten Entwurf. Wenn ich beim Schreiben merke, dass ich beim Anfang noch etwas vergessen habe, schreibe ich es mir auf, damit ich es bei der Überarbeitung noch einfügen kann. Beim Schreiben habe ich bisher auch immer recherchiert, aber bei Em Evol habe ich etwas anderes probiert. Ich habe immer XXX ins Manuskript geschrieben, wenn ich etwas nachschlagen muss, genauer in meinem Post über Spaghettieis (ja wirklich!).

Nach dem ich eine erste Version habe, arbeite ich alle Dinge ein, die ich mir aufgeschrieben habe, recherchiere alle XXX. Danach lese ich es einmal komplett durch, verbessere alle Fehler, die mir auffallen.

Danach schicke ich es ins Lektorat. Ich arbeite meist mit ScriptLounge zusammen, weil sie mir vor fast drei Jahren von einer anderen Autorin empfohlen wurde und die Zusammenarbeit seitdem immer absolut perfekt war. Sie ist sowohl für das Lektorat, als auch das Korrektorat zuständig. Das Lektorat beschäftigt sich mit Logikfehlern (ob der Vater, der eigentlich gestorben ist, am Ende des Buches zu Besuch kommt und ähnliches), mit den Charakteren (ob sie sich gut entwicklen, ob sie sich glaubwürdig verhalten, ob man das Handeln nachvollziehen kann und was mir immer wichtig ist, ob man sie mag, oder ob man denkt, nee, die soll einen ganz anderen bekommen), mit der Handlung an sich (ob die Haupt- und die Nebenhandlungen abgeschlossen werden, alle losen Enden verknüpft sind, ob das ganze nachvollziehbar ist, ob es überhaupt Sinn macht, diese Geschichte zu erzählen), mit der Struktur (ob der Spannungsbogen gut gespannt ist, um die Leser bei der Stange zu halten, ob die Geschichte Höhen und Tiefen hat, um auch mal wieder zu Atem zu kommen, ob man sich nicht verzettelt hat) und mit allem, was fehlt (manchmal funktioniert eine Geschichte im eigenen Kopf, weil man selber unglaublich viele Informationen hat, aber die Leser*innen haben nur die Informationen, die die Autorin liefert, daher müssen da noch Extraszenen hinein).

Das Korrektorat ist quasi die Rechtschreibprüfung, nur viel genauer als Word. 😉 Manche Autor*innen engagieren für Lektorat und Korrektorat zwei verschiedene Dienstleister*innen, aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Arrangement.

Zeitgleich schicke ich das Manuskript an meine Testleserinnen. Sie tun immer mehr, als ich erwarte, aber eigentlich will ich von ihnen wissen, ob das Buch für Annie-Fans gut ist. Ob sie denken, dass es meinen Leser*innen gefallen wird. Darüber hinaus schicken sie mir alle Dinge, die ihnen gefallen und die ihnen nicht gefallen, kritisieren, was sie nicht verstehen und gehen mit einem feinen Kamm durch alle meine Sätze, um Phrasen zu finden, die ich vielleicht unbedacht geschrieben habe, aber die vielleicht unbewusst verletzend für andere Menschen sein können. Darüber hinaus übernehmen sie auch einen Teil des Lektorats, weil sie ebenfalls auf Logik und Charakterentwicklung und Plot achten.

Wenn ich dann alle Rückmeldungen haben, sowohl von meiner Lektorin, als auch von meinen Testleserinnen, dann bearbeite ich den Text. Erst arbeite ich durch die Anmerkungen meiner Lektorin, danach arbeite ich die Anmerkungen der Testleserinnen ein. Wenn ich große Änderungen vorgenommen habe, etwa weil ich ganze Szenen neu geschrieben habe, schicke ich diese Stellen noch mal an meine Lektorin, damit sie da noch mal nach Rechtschreibfehlern schaut.

Wenn ich damit fertig bin, lese ich den Text noch einmal komplett durch, möglichst am Stück, damit ich alles zeitlich komprimiert betrachten kann. Dabei korrigiere ich übersehene Fehler, füge noch Dinge ein, die mir auffallen, checke, ob ich alle Formulierungen mag.

Und dann … dann ist das Manuskript fertig. Ich setze das eBook mit Vellum und veröffentliche es auf Amazon. Wenn ich den Buchsatz selber mache, tue ich das im Anschluss, wenn nicht, schicke ich das Manuskript an Grit von Grittany Design, die das wunderbar macht.

Und dann beginnt das nervöse Warten, ob man die Erwartungen der Leser*innen erfüllen konnte.