Über Kritik

Keine Sorge, es ist nichts passiert.

Kritik ist allerdings einer der Punkte, an dem sich die Geister scheiden. Als Autor*in gehört man zu den feingeistigen Künstler*innen, die Kritik nur schlecht ertragen, weswegen es so viele gibt, die sich tagelang Gedanken über schlechte Rezensionen machen, die sich grämen, wenn sie ihre erste 1-Sterne-Rezension bekommen, die vielleicht sogar auf Facebook posten und die Rezensenten diffamieren.

Zu der Sorte gehöre ich nicht.

Ich habe schon immer geschrieben, aber ich habe auch schon immer gelesen. Als Leserin weiß ich, dass mir nicht jedes Buch gefällt, obwohl ich eine sehr unkritische Leserin bin. Wenn mir ein Buch ein paar nette Stunden beschert, dann bin ich zufrieden. Aber selbst mir gefällt nicht alles und das ist doch okay. Wir haben nun einmal nicht den gleichen Geschmack. Nicht jedes Buch ist für jeden Leser.

Und weil ich das weiß, respektiere ich auch die Meinung von anderen Leser*innen. Weil nur du bist es, die beurteilen kann, wie du das Buch fandest. Wenn wir ein Buch lesen, dann gehen wir eine Verbindung ein und die ist für jeden von uns anders. Sie ist intim und privat und gehört nur uns selbst. Und weil das so ist, versteht auch jeder ein Buch anders. Das ist okay. Wir müssen nicht die Bücher lieben, die andere lieben, wir müssen nicht die Bücher hassen, die andere hassen. Wir müssen uns nur unserem Gefühl unterwerfen.

Weil das so ist, hat jedes Buch schlechte und gute Rezensionen. Ich glaube, das gibt einem Buch auch Glaubwürdigkeit. Denn es kann kein Buch geben, das allen gefällt. Das geht einfach nicht. Und wenn man sich in die Öffentlichkeit begibt – und das tut man, wenn man veröffentlicht –, dann öffnet man die Tür für Kritik.

Es gibt aber auch Dinge, die ich nicht leiden kann. Jeder hat das Recht ein Buch  zu hassen und eine Rezension zu schreiben, aber wieso muss man dann schreiben: »Ich kann die ganzen positiven Rezensionen nicht nachvollziehen.«? Man selbst will doch, dass die eigene, negative Meinung respektiert wird. Wieso respektiert man dann auch nicht andere, positive Meinungen? Das andere, was ich nie verstehen werde, sind Aussagen wie: »Ich werde nie wieder ein Buch dieser Autorin lesen.« Das ist auf jeden Fall dein gutes Recht, aber ich finde, es geht von der falschen Prämisse aus. Nämlich von der, dass Autor*innen sich weder entwickeln können, noch andere Genres ausprobieren oder einfach einen anderen Geschmack entwickeln. Nur weil man Harry Potter nicht mochte (ja, solche Leute gibt es!), kann man doch Rowlings Krimis unter einem anderen Pseudonym lieben. Autor*innen wachsen, sie ändern ihren Stil, ihr Genre, wie ihnen das gefällt. Zu sagen, man würde nie wieder etwas von jemandem lesen, stellt das in Abrede.

Darüber hinaus finde ich, dass jeder das Recht hat, seine Meinung, gut oder schlecht, zu artikulieren, und dass andere sie respektieren. Als Meinungen. Meinungen sind nicht Fakten, weswegen man auch sagt, jede Geschichte hat drei Seiten: meine, deine und die Wahrheit.

Wir lesen Bücher mit unserem eigene Erfahrungsschatz. Unser gesamtes Leben und wie wir es sehen, entscheidet darüber, ob wir mit einem Buch etwas anfangen können oder nicht. Weil wir nicht die gleichen Leben führen, können wir auch nicht den gleichen Background haben, und daher können wir das gleiche Buch auch unterschiedlich bewerten. Macht euch ein Buch zu eigen. Nur eure Meinung zählt.